Das wohltemperierte Klavier, Musiktheater nach Johann Sebastian Bach unter Verwendung des Romans »Melancholie des Widerstands« von László Krasznahorkai, Schaubühne am Lehniner Platz, Berlin (Regie: David Marton)
Das kann auch nur einem Pianisten einfallen: Bachs “Wohltemperiertes Klavier”, dieser Durchgang durch alle dem Klavier möglichen Dur- und Moll-Tonarten, dieses Mammutwerk musikalischer Ordnung, als Grundlage für einen Theaterabend zu wählen. David Marton ist seit jeher ein Grenzgänger zwischen Sprech- und Musiktheater, der beide einander aufladen, hinterfragen, aufeinander prallen lässt und in der Kollision eine eigene Theatersprache findet. Um es vorwegzunehmen: Dies gelingt ihm an diesem Abend nicht. Zu sehr stehen Musik- und Sprechtheater nebeneinander, zu sehr fällt auch Letzteres gegenüber Ersterem ab. Die Symbiose gelingt genauso wenig wie der Konflikt, stattdessen stehen beide weitgehend unabhängig nebeneinander. Die Auseinandersetzung mit Bachs Werk und dem, wofür es steht, ist überaus spannend, ein gelungener Theaterabend ensteht daraus jedoch nicht.
