Die Berliner Philharmoniker unter Leitung von Claudio Abbado
Von Sascha Krieger
Es ist ein lieb gewordenes Ritual: Einmal im Jahr – meist im Mai – stattet Claudio Abbado den Berliner Philharmonikern, die er dreizehn Jahre lang als Chefdirigent leitete, einen Besuch ab. Es sind Konzerte, die stets auf die gleiche Weise enden: mit minutenlangen, nicht enden wollenden stehenden Ovationen, die nicht einmal Abbados Nachfolgern Sir Simon Rattle in dieser Form kennt. Die Liebe des Berliner Publikums ist ungebrochen, ebenso wie die Dankbarkeit für den Maestro, der einst die schier unmögliche Aufgabe, Herbert von Karajan nachfolgen zu müssen, mit Eleganz, Bescheidenheit, aber auch mit einer unverrückbaren musikalischen Vision gemeistert hat, dass er den Rang dieses Klangkörper als einem der besten, wenn nicht gar als bestem der Welt nicht nur aufrecht erhalten, sondern das Orchester auch in die Moderne geführt hat. Wenn die Philharmoniker heute zeitgenössische Musik mit der gleichen Präzision und Perfektion zu interpretieren im Stande sind wie das klassische und romantische Erbe, dann hat das viel mit Claudio Abbado zu tun. Dass der tosende Applaus, der ihm hier entgegenschlägt, alles andere ist als ein Tribut an seine Vergangenheit, hat er mit seinem diesjährigen Gastspiel auf eine Weise unter Beweis gestellt, die dem Zuhörer den atem stocken lässt.







