Musikfest Berlin 2026 – Das Kanze Nō Theater bringt eine jahrhundertealte japanische Theatertradition nach Berlin
Von Sascha Krieger
Kurz vor Ende des Musikfests Berlin, das sich bekanntlich besonders der zeitgenössischen Musik widmet, wandert der Bleck nochmal weit zurück. Bald 700 Jahre ist es her, da entwickelte Kan’ami Kiyotsugu aus verschiedenen chinesischen und japanischen Performance-Traditionen eine hochstilisierte und formalisierte Mischung aus Sprech-, Musik- und Tanztheater, die heute als Nō bekannt ist und zu den ältesten Theatertraditionen der Welt zählt. Sein Sohn Zeami entwickelte es an der Schwelle zum 15. Jahrhundert weiter in eine Kunst, die bis heute in Japan zelebriert wird und bis heute Künstler*innen aus aller Welt inspiriert. Der irische Dichter William Butler Yeats wäre beispielhaft zu nennen, der Nō als Basis für seinen Versuch nahm, ein auf keltischen Mythen basierendes Nationaltheater zu schaffen. Vor allem aber beeinflusste Nō zahlreiche Protagonist*innen der zeitgenössischen Musik. Die extrem sparsame, stark rhythmisierte, ritualhafte und oft höchst abstrakte Musikbegleitung durch eine Kurzflöte und drei unterschiedliche Trommeln bot in ihrer extremen Reduktion einen Anknüpfungspunkt für eine alles Überlieferte in Frage stellende Musik. Und so ergibt es vollkommen Sinn, den seltenen Besuch dieser Kunstform in Deutschland ausgerechnet bei diesem Festival stattfinden zu lassen.









