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Leise rieselt der Sand

Rik van des Bos: Leerlauf, Deutsches Theater/Box, Berlin (Regie: Marvin Simon)

Von Sascha Krieger

Grau sind die lackierten Dielen, die Bühnenbildnerin Merlin Vierck in der Box des deutschen Theaters zu einem Quadrat aufgebaut hat. Darauf hastet Thorsten Hierse als ehemaliger Soldat Birke, der eigentlich Thomas ist. Unaufhörlich, immer im Kreis. An- und innehaltend nur, um an den Dielen zu horchen oder auszubrechen in Schrei- oder Lachkrämpfe. Schon wenn das Licht angeht, ist der senffarbene Schlabberpulli, den er trägt, schweißnass, Schweißtropfen fallen von seinem Gesicht auf die Bohlen seines selbstgewählten Gefängnisses. Birke war in Afghanistan, hat dort seinen besten Freund verloren und das Gehör seines rechten Ohres. Um zu erkennen, dass das beileibe nicht alles ist, genügt ein Blick. Er ist ein Gehetzter, ein Gefangener seiner Erlebnisse, der Schuld, auch jener, überlebt zu habe. Zurückgekehrt in eine Welt, die nicht mehr die seine ist und der er sich entzieht. Einer, den der Krieg nicht loslässt, einer, in dessen Adern kein Blut fließt sondern Sand. Sand, das steht für Afghanistan und damit den Krieg. Der Krieg ist in ihm, hat diesen Körper, diese Seele übernommen.

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