Archiv der Kategorie: Yasmina Reza

Das Bild hängt schief

Yasmina Reza: „Kunst“, Berliner Ensemble / Schauspiel Frankfurt (Regie: Oliver Reese)

Von Sascha Krieger

Mit Yasmina Reza kann man eigentlich nichts falsch machen. Ihre die bürgerliche Mitte der Gesellschaft sezierenden Komödien – spätestens seit Edward Albee ein lohnendes Rezept für erfolgreiches Theater – sind so unterhaltsam und konsumierbar, ohne stets, wie eben bei Albee, in den Abgrund starren zu müssen, der da natürlich immer gähnt, dass Publikumserfolge vorprogrammiert sind, und haben gleichzeitig genug Tiefe, um die Kritiker ruhigzustellen. Und selbst wenn das Rezept, wie etwa bei Bella Figura, nicht aufgeht, schreibt Reza immer noch Rollen, die große Schauspieler*innen zur Zuschauerbeglückung ausfüllen können. Für einen Stadttheaterintendanten ein Glücksfall, schließlich braucht er oder sie nicht nur große Kunst, sondern auch volle Häuser. Und die sind mit Yasmina Reza meist garantiert, so man nicht allzu viel falsch macht und entsprechende Schauspieler*innen mitbringt. Da wundert es kaum, dass unter den Arbeiten, die Neu-BE-Intendant Oliver Reese aus dem Schauspiel Frankfurt in die neue Heimat überführt, auch eine Reza-Inszenierung ist, der Bequemlichkeit halber auch gleich eine eigene, gespielt von Darsteller*innen, die ebenfalls mit ans BE gewechselt sind. Und wenn das Stück dann auch noch „Kunst“ heißt, Rezas internationaler Durchbruch und so etwas wie die Blaupause für ihr Theater, ist der Erfolg programmiert. Risiko mag der Nährboden für große Kunst sein, das Haus füllt es nicht immer.

Das Berliner Ensemble (Bild: Moritz Haase)

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Wie Motten ums Licht…

Yasmina Reza: Bella Figura, Schaubühne am Lehniner Platz, Berlin (Regie: Thomas Ostermeier)

Von Sascha Krieger

Thomnas Ostermeier, das ist bekannt, ist einer, der den Blick über den Tellerrand zu seinem Markenzeichen gemacht hat. DevTheater machen – und zeigen – will, das außerhalb seines Entstehungskontexts verstanden werden kann. Die Berliner Schaubühne hat er zu einem Exportschlager gemachte – Inszenierungen wie Hamlet  und Ein Volksfeind touren seit Jahren um den Globus, mit dem Festival F.I.N.D. lässt er Jahr für Jahr im Frühjahr internationale Theatersprachen ins Land, Ostermeier selbst inszeniert weniger in München und Hamburg als in Paris oder Moskau. Da ist des doch nur folgerichtig, dass er es ist, der es schafft, die Uraufführung eines Stücks der derzeit wohl bekanntesten Dramatikerin der Welt an sein Haus zu holen: Yasmina Reza. Bella Figura hat die Französin eigens für die Schaubühne geschrieben – der Stolz ist dem Intendanten, der natürlich auch die Inszenierung besorgt, schon vor der Premiere ins Geschichte geschrieben. Die Erwartungshaltung ist es auch. Gut, dass das parallel stattfindende Theatertreffen an diesem Abend keine Premiere hat – es hätte dort leer werden können.

Foto: Arno Declair

Foto: Arno Declair

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Wirklichkeitsraum Mehrzweckhalle

Yasmina Reza: Ihre Version des Spiels, Deutsches Theater/Kammerspiele, Berlin (Regie: Stephan Kimmig)

Von Sascha Krieger

Da hat das Deutsche Theater einen wahren Coup gelandet. Völlig egal, dass Ihre Version des Spiels so gar nicht unter das Spielzeitmotto „Macht Gewalt Demokratie“ passen will, dem das Haus mit seinen ersten Premieren der Saison penibel gefolgt war. Eine Uraufführung der derzeit weltweit meistgespielten Dramatikerin überhaupt bekommt man nicht alle Tage. Und das obwohl Yasmina Rezas deutscher Stammregisseur Jürgen Gosch vor einigen Jahren verstarb und sie, wie sie es im Programmheft-Interview ausdrückt, „ein wenig verwaist“ gewesen sei. Und doch kommt Ihre Version des Spiels ganau hier auf die Bühne, zum einen, weil mehrere Versuche, es von Luc Bondy uraufführen zu lassen, zunächst in Wien, später in Paris, gescheitert waren, zum anderen, weil Reza hier mit Corinna Harfouch ihre Wunschbesetzung für die Hauptrolle der Schriftstellerin Nathalie Oppenheim zur Verfügung hatte. Da ist es fast zweitrangig, dass Stephan Kimmig Regie führt – der Abend funktioniert genau solange, wie es Harfouchs Abend ist. Erst als Kimmig merklich die Regiezügel in die Hand nimmt, verliert er an Schwung und offenbart auch so manche Schwäche des Stücks, das dann eben doch nicht Kunst oder Der Gott des Gemetzels ist, Rezas meistgespielte Stücke.

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