Archiv der Kategorie: Wilhelm Busch

Wenn der Leberkäse-Engel kommt

Nach Wilhelm Busch: Max und Moritz. Eine Bösebubengeschichte für Erwachsene, Berliner Ensemble / Ruhrfestspiele Recklinghausen (Regie: Antú Romero Nunes)

Von Sascha Krieger

Man behält es im Ohr, dieses vier- bis fünfsilbige meckernde Lachen, mit dem Stefanie Reinsperger ihr Publikum immer wieder in diesen gut 100 Minuten quält wie verzaubert. Und – anarchisch und ordnungstörend wie ihre Figur – schon mal eine Popkultur-referenz in die Runde wirft, die sogar manche*n gestandene*n Kritiker*in überfordert. Denn auch wenn sie und Annika Meier von Victoria Behr originalgetreu kostümiert und frisiert auf der Bühne stehen, irritieren sie doch in dem Moment, in dem sie den Mund auf machen. Denn die Töne und Klänge, die aus ihnen kommen, stammen nicht von Wilhelm Busch, sie sind viel jünger. Sie gehören kleinen gelben Publikumslieblingen aus einer Reihe populärer Animationsfilme, den Minions, frech anarchischen Unruhestiftern, Chaosverbreitern, Durcheinanderbringern. Doch wo diese harmlos liebenswürdig bleiben, eigentlich nur spielen wollen, sind ihre Vorgänger ganz andere Kaliber: Sachbeschädiger, Körperverletzer, Diebe, Tierquäler. Max und Moritz waren eigentlich schon immer zu brutal, zu disruptiv, zu anarchistisch – und damit perfekte Kinderliteratur im Grimmschen Sinne.

Bild: JR Berliner Ensemble

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