Archiv der Kategorie: Walter Asmus

Unter Geistern

Eröffnung der Volksbühne Berlin – Samuel Beckett: Nicht Ich / Tritte / He, Joe (Regie: Walter Asmus) / Tino Sehgal: Diverse Arbeiten, Volksbühne Berlin (Großes Haus)

Von Sascha Krieger

Es ist geschafft: Nach zwei Jahren unendlich erscheinender Diskussion und zunehmend hasserfüllter Frontenbildung, bei der man den Eindruck gewinnen konnte, es ginge hier nicht um die neue Intendanz eines Stadttheaters, sondern um den bevorstehenden Untergang der menschlichen Zivilisation, nach Hetze, Unterstellungen, Fäkalien von der Tür der Intendanz, einer Petition, einer Besetzung und zahllosen Querschüsse aus der Politik wird am Rosa-Luxemburg wieder Kunst gemacht, ja, auch Theater, ist das Haus wieder Ort der künstlerischen, friedlichen, ästhetischen Auseinandersetzung. Dabei kleckert Neu-Intendant Chris Dercon zur Eröffnung nicht, er klotzt. Zwei Ikonen stellt er nebeneinander: Samuel Beckett, den großen Zvilisationsentblätterer und Apokalyptiker des reichlich apokalyptischen 20. Jahrhunderts und den Berliner Tino Sehgal, den künstlerischen Weltenwanderer unserer Zeit, der – wie auch Beckett – disziplinäre Grenzen überschreitet, bildende Kunst zu Theater und Theater zu bildender Kunst macht, und sich wie der Ire Fragen nach der Lebensfähigkeit des Menschen im Zeitalter der Fremdbestimmung, der technischen Überforderung, der fortschreitenden Selbstabschaffung stellt. Der einsame, inselartige Wesen in den Strom einer kosmischen Leere stellt – die bei ihm nicht selten ein Kommunikationsraum, der Kommunikation oft verunmöglicht, ist – und sie so zu Brüdern, Schwestern, Stiefkindern der Figuren Becketts macht.

He, Joe (David Baltzer)

Weiterlesen

Werbeanzeigen
Werbeanzeigen