Archiv der Kategorie: Veit Schubert

Aus dem Fundus

Bertolt Brecht: Die Antigone des Sophokles, Berliner Ensemble (Kleines Haus) (Regie: Veit Schubert)

Von Sascha Krieger

„Ungeheuer ist viel. Doch nichts ungeheuerer als der Mensch.“ Welch Kosmos an Widersprüchen und Ambivalenzen liegt in diesen berühmte Zeilen aus Sophokles‘ Antigone, welch Lob und Kritik des Menschlichen, welch Liebe und Verachtung des Menschen – ein Satz, der nahe kommt, die menschliche Existenz in ihrer Größe und Nichtigkeit, ihrem Glanz und ihrer Niedertracht zu umfassen. In Veit Schubert Inszenierung erklingt der Monolog der Alten von Theben zweimal. Die deklamieren ihn in hölzern selbstgerechtem Ernst, während an anderer Stelle die Randexistenzen, die der Gesellschafter nicht voll Zugehörigen, die irgendwie aus dem normativen Roster fallenden, in letzter Gemeinschaft zusammensitzen und die Zeilen auf Englisch, mit Ukulele und Mundharmonika, als sanft melancholischen Folksong intonieren. Ein traurig hoffnungsvoller Gesang, ein behutsames ansingen der Möglichkeiten des Menschlichen, stehen staatstragender Leere, opportunistischer Phrasendrescherei eintgehen. Ein schöner, symbolhafter Moment voller poetischer Tiefe und spielerischer Offenheit an diesem eineinhalbstündigen Abend. Es wird der einzige bleiben.

Bild: Julian Röder

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