Archiv der Kategorie: Ursina Lardi

Tod und Theater

Milo Rau und Ursina Lardi: Everywoman, Salzburger Festspiele / Schaubühne am Lehniner Platz, Berlin (Regie: Milo Rau)

Von Sascha Krieger

Ein Brief sei der Ausgangspunkt für diesen Abend gewesen, erzählt Ursina Lardi zu Beginn. Eine ältere Frau habe ihr geschrieben, gern würde sie, die mit Anfang 20 mal Statistin in Romeo und Julia war, noch mal auf einer Bühne stehen. Nur gäbe es zwei Probleme: zum einen Corona, zum anderen eine hoffnungslose Krebsdiagnose. Lardi, so erzählt sie, war interessiert, sie traf sich mit Helga Bedau und jetzt sind sie gemeinsam auf einer Bühne. Oder auch nicht. Denn nur Lardi ist leibhaftig anwesend, ihre Mitspielerin erscheint auf einer großen Videowand. Und doch sprechen sie miteinander, pber Distanzen, über Zeiten hinweg. Die Illusion der Präsenz des Geschehens, die Anwesenheit des Als-ob, die immer auch eine Abwesenheit impliziert, was Theater ausmacht, drehen Lardi und Regisseur Milo Rau noch ein wenig weiter. Denn natürlich ist der Dialog Illusion, die Repliken Bedaus sind aufgezeichnet, während Lardi live spricht, aber natürlich nur das Vereinbarte. Ein Als-ob, das den Tod zu besiegen in der Lage scheint. Theater, obwohl nur im Moment stattfindend und nach Vorstellungsende verschwunden, hat doch immer schon den Anspruch zu bewahren, überzeitlich zu sein, universell auch. Rau und Lardi nehmen das ernst an diesem vor allem für ersteren so ungewöhnlich persönlichen Abend.

Bild: Armin Smailovic

Weiterlesen