Archiv der Kategorie: Ulrich Rasche

Zurück ins Schneckenhaus

Zur Auswahl des Theatertreffens 2018

Von Sascha Krieger

Was war das für ein Theatertreffen-Jahrgang 2017. Starke, richtungweisende Regiekonzepte, radikale Ästhetiken, Rahmen sprengende Erzählweisen, theatrale Grenzgänge und -erfahrungen. Eine Leistungsschau des deutschsprachigen Theaters ohne Scheuklappen, die nach vorne wies und in die Welt hinaus. Internationale Arbeiten waren dabei, große wie kleine Häuser, reihenweise Neulinge, ein atemberaubendes Spektrum theatraler Ausdrucksformen. Die Latte lag hoch für die diesjährige Jury. Würde sie dort anknüpfen, wohin sie das Theatertreffen, das in der Vergangenheit viel zu oft Nabelschau der großen Bühnen und Namen war, Hort des Staats- und Stadttheaters, Besitzstandswahrer der Subventionskönige? Nicht selten ist es im Leben so, dass auf zwei Schritte nach vorn einer zurück folgt, doch so brutal, wie die diesjährige Jury das Theatertreffen-Vehikel an die Wand fuhr, stockt dem eigentlich geneigten Beobachter der Atem. Wo ist der Geist des Aufbruchs, die Neugier, die Experimentierfreude, welche die letztjährige Auswahl auszeichnete?

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Die Jury des Theatertreffens 2018 (Bild: Iko Freese / drama-berlin.de)

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Maschine Menschheit

Friedrich Schiller: Die Räuber, Residenztheater, München (Regie: Ulrich Rasche) – eingeladen zum Theatertreffen 2017

Von Sascha Krieger

Das Leben, so sagt man, sei ein Kreislauf. Leben, Tod, Leben und immer so weiter. Doch was wenn zum natürlichen ein menschengemachter zweiter Kreislauf tritt. Einer einer der Macht und Gewalt? Einer, den Friedrich Schiller lange vor dem Zeitalter beschrieb, das wir heute das „industrielle“ nennen und vor das wir mittlerweile das eine oder andere „post“ setzen. Kreisläufe sind seit damals viele dazugekommen, solche der Effizienz und Nützlichkeit, andere der Vernichtung. Das vergangene Jahrhundert erfand dafür das Fließband, den Kreislauf als physisches Prinzip und Werkzeug, an dem es Autos produzierte und Tote. Zwei riesige Exemplare stehen nun auf der Bühne des Münchner Residenztheaters. Ulrich Rasche, Regisseur und Bühnenbildner in Personalunion, hat sie dort hingestellt. Dort erscheint zunächst Katja Bürkle, die derzeit die erkrankte Valery Tscheplanowa ersetzt, die wiederum für Bibiana Beglau einsprang, die lange vor der Premiere wegen „künstlerischer Differenzen“ das Handtuch warf. Auch das eine Art Kreislauf. Mit harter Stimme und herausforderndem Gestus, den Körper gespannt, als würde er gleich giftige Pfeile verschießen, proklamiert sie ihr Programm der Selbstermächtigung. Das Programm einer Macht, die sich aus radikalem Individualismus speist, sich selbst einziger Maßstab ist. Macht als absolutes Prinzip.

Bild: Andreas Pohlmann

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Mit offenen Augen

Das Theatertreffen 2017 gibt seine Auswahl bekannt

Von Sascha Krieger

Natürlich lässt sich auch über den neuesten Theatertreffen-Jahrgang trefflich herziehen. Einfach macht es die Jury dem Nörgler jedoch nicht. Die Zahl der übergangenen Inszenierungen, die es unbedingt ins Festspielhaus hätten schaffen müssen, ist überschaubar. Eigentlich fehlt nur Christoph Marthalers Volksbühnen-Abschied wirklich, auch wenn Sebastian Hartmanns Berlin Alexanderplatz oder Thomas Ostermeiers Professor Bernhardi vermutlich keine Proteststürme ausgelöst hätten. Das Spektrum ästhetischer Ansätze ist groß, vier Debütanten sind dabei, zwei Häuser, die erstmals eingeladen sind, die angebliche „Provinz“ ist ebenso dabei wie die „neuen Länder“ und die freie Szene. sogar zwei fremdsprachige internationale Produktionen haben es geschafft, so manche Stückentwicklung ebenso. Einen geografischen weißen Fleck gibt es: Aus Österreich ist diesmal keine Inszenierung eingeladen. Eigentlich schön, dass die Jury offenbar wenig Proporzdenken an den Tag legte. Einzige Leerstelle: Weibliche Regisseurinnen, in den letzten Jahren das Rückgrat des Theatertreffens, fehlen diesmal fast ganz. Ein Makel, sicher, aber einer, den so manches an der Auswahl aufwiegt.

Die Jury bei der Bekanntgabe der Auswahl (Bild: Sascha Krieger)

Die Jury bei der Bekanntgabe der Auswahl (Bild: Sascha Krieger)

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