Archiv der Kategorie: Turbo Pascal

In der Komfortzone

Turbo Pascal: Böse Häuser, Sophiensaele, Berlin / Theater Rampe, Stuttgart

Von Sascha Krieger

Böse Häuser. So so. Wo mögen die wohl stehen und was an ihnen ist böse? Eine Frage, die schnell beantwortet ist: „Böse Häuser“, so raunt uns Hegel in der Stückankündigung zu, seien die Orte, an die man gelangt, „wenn das Denken über den gewöhnlichen Kreis der Vorstellungen hinausgehe“. Gedankengebäude also – so zumindest drückt es ein Performer von Turbo Pascal an diesem Abend aus. Sie stehen nicht irgendwo in der Landschaft, sondern in uns, unserem Denken, unserer Vorstellung. Dort wohnen die Ängste, der Hass, vielleicht aber auch die Hoffnung und die Fähigkeit, auf andere zuzugehen. Es ist der Ort des „Anderen“ in uns, der anderen Vor- und Einstellungen, der fremden, den eigenen womöglich diametral entgegen stehenden Gedanken. Hierhin wollen Turbo Pascal ihr Publikum (ent)führen, es einladen, sich hineinzuversetzen in andere, fremd erscheinende Gedankengänge, weniger liberale vielleicht, als man sie sich selbst – wir Aufgeklärten, Toleranten sind ja unter uns – zugestehen mag. Mal austesten, wie es sich anfühlt, sich „feindlichen“ Argumentationen anzuvertrauen. Mehr noch: Herauszufinden, wie leicht man vom eigenen Weg auf einen ganz und gar gegensätzlichen geraten könnte.

Bild: Janina Janke

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Der Pass, der nicht passt

Junges DT – Turbo Pascal: Die Welt in uns, Deutsches Theater/Box, Berlin (Regie: Turbo Pascal)

Von Sascha Krieger

Gary Davis – wer ist das? Diese Frage steht am Beginn von Die Welt in uns, der ersten Arbeit des freien Kollektivs Turbo Pascal im Rahmen des Jungen DT. Eine fast vergessene Gestalt ist dieser Gary Davis, Schauspieler, Bomberpilot, Weltbürger Nummer eins. Einer, der nach den Schrecken des bislang letzten Weltkriegs zu der Schlussfolgerung kam, das Übel der Welt läge in ihrer Trennung, der Aufspaltung in so genannte Nationalstaaten. Ja, genau denen, die gerade von links wie rechts als Bollwerke einer von vielen als dauernde Überforderung empfundenen Welt hochgehalten werden. Davis hingegen wollte die Welt einen. Er gab seinen amerikanischen Pass ab und scharte Gleichgesinnte um sich, mit denen gemeinsam er die Einführung von Weltregierung, Weltparlament und Weltbürgertum forderte. Den Weltbürgerpass, den Davis auszugeben begann, gibt es auch heute noch (zuweilen sogar im DT-Publikum). Kriege, so dachte Davis, kommen von Trennung, von Gegeneinander, von der Unterteilung in „Wir“ und „Die“. Hebt man diese auf – wer würde, wollte, könnte da noch Krieg führen. Wie wir wissen, setzte sich das zugegeben etwas naive Konzept durch. Und doch: Ließe sich davon nicht einiges lernen?

Bild: Arno Declair

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