Archiv der Kategorie: Toneelgroep Amsterdam

Steinewerfer im Glashaus

FIND #18 – Simon Stone nach Motiven von Henrik Ibsen: Ibsen Huis, Toneelgroep Amsterdam (Regie: Simon Stone)

Von Sascha Krieger

Schon wieder ein Ferienhaus, ein gläsernes noch dazu. Modernistisch, architektonisch wertvoll. Wer Simon Stones Überschreibung der Drei Schwestern gesehen hat, fühlt sich gleich ein wenig zuhause. Und weiß was kommt: Geheimnisse, die aufgedeckt, Leichen die aus dem gläsernen Keller geholt, Selbstbetrüge, die entlarvt werden. Im Glashaus werden Steine geworfen, große Brocken, tödliche. Ein Haus steht im Mittelpunkt von Tschechows Stück und Häuser sind meist auch Dreh-, Angel- und Schicksalspunkte in den Dramen Henrik Ibsens. Derer sich Stone diesmal als Ganzes annimmt, als Kosmos der Erforschung und Sezierung der elementarsten und gestörtesten gesellschaftlichen Einheit überhaupt: der Familie. Und was für eine Familie sich Stone aus Ibsens Universum zusammengesammelt hat: Da ist der Patriarch, Cees Kerkman, gefeierter Architekt, Wiedergänger von Ibsens Solness, Bruder im Ungeiste seiner anderen Alpha-Männer, der Borkmans und Brands. Hans Kesting spielt ihn als fast karikaturhaften Tyrannen, der charmant sein kann, kalt berechnend und cholerisch, der umschalten kann im Bruchteil einer Sekunde, ein vollständig selbstbezogenes Familienmonster mit einem dunklen Geheimnis. Einem? Ach was? So billig kommen wir bei Stone nicht davon.

Bild: Jan Versweyveld

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Who’ll Break the Circle?

Based on the film by Luchino Visconti: Obsession, Toneelgroep Amsterdam / Barbican Centre, London / Wiener Festwochen (Director: Ivo van Hove)

By Sascha Krieger

Emptiness. A bare, somewhat modernist room filled with nothingness. Cool, functional, lifeless. Two people, far apart. If there is a relationship, it’s one of power. The distance is palpable. In the middle of Jan Versweyveld’s stage, there is an old large engine hanging from the ceiling. It stutters then goes out. A young man enters the stage, wistfully playing the harmonica. He will get the engine started – in more than one way. Luchino Visconti’s debut film Ossessione is a tale of unbridled passion and its destructiveness. The juxtaposition of a cold, power-based marriage and the heat of an obsessive affair leads to disaster. There is no middle ground, no gray among the black and the white. In Ivo van Hove’s stage adaptation, the sweltering heat of the film is replaced by a chilling coolness. Spaces are wide, distances large, bodies tense. When Gino, the young drifter, and Hanna, the oppressed, wife finally get together, a suspended accordion is playing. The bodies dance a ballet of constricted, obsessive passion. The climax is signalled by long-held dissonant chord. Closeness is achieved, the distance overcome. Nothing is good.

The Barbican Centre (Image: Sascha Krieger)

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Männer am Rande des Nervenzusammenbruchs

F.I.N.D. 2012 – John Cassavetes: Husbands, Toneelgroep Amsterdam (Regie: Ivo van Hove)

Von Sascha Krieger

Es gibt Theaterabende, die machen es dem Zuschauer schwer und dem Rezensenten einfach. Dumm nur, dass Letzterer auch immer Zuschauer ist und sich quälende zwei Stunden hindurch davon abhalten muss, einzuschlafen oder das Theater fluchtartig zu verlassen. Ivo van Hove hat sich John Cassavetes Männer-in-der Midlife-Crisis-Komödie Husbands aus dem Jahr 1970 vorgenommen und nach allen Regeln der Kunst gegen die Wand gefahren. Herausgekommen ist, wie in solchen Fällen üblich, ein Totalschaden. Leider mit viel zu vielen Zeugen.

Husbands

„Wo bin ich hier nur hineingeraten? (Foto: Jan Versweyveld)

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