Archiv der Kategorie: Tennessee Williams

Waiting for the Click

Tennessee Williams: Cat on a Hot Tin Roof, Apollo Theatre / Young Vic, London (Director: Benedict Andrews)

By Sascha Krieger

Of course, it’s hard not to think of Trump Tower. Instead of a 1950s Mississippi plantation mansion, Benedict Andrews‘ take on Tennessee Williams‘ Cat on a Hot Tin Roof is located in front of a massive gilded wall, courtesy of Swiss set designer Magda Willi. This is a golden cage Williams‘ characters are caught in and it’s one clearly place in the here and now (as proven by the frequent use of mobile phones). A neon rectangle frames the stage which in itself is a rectangular island in a sea of shiny nothingness. All is polished, all is a lie. The setting – only a (black!) bed, a shower and a cosmetics table plus a few bottles of whiskey and a bag of ice are left as remnants of the real world – feels like a mixture of Beckettian emptiness and the all-surface world of reality TV. Where in Beckett everything beyond the stage is nothingness, here it’s the horror of the greed-ridden, image-based reality of today’s late-stage capitalism inhabited by cloned child monsters half Chucky half beauty pageant. And by adults that seem more like mechanical puppets, robots of the eternal hamster wheel of success.

The Apollo Theatre (Image: Sascha Krieger)

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Sie wollt‘, sie wär‘ ein Huhn

Tennessee Williams: Die Glasmenagerie, Deutsches Theater, Berlin (Regie: Stephan Kimmig)

Von Sascha Krieger

Da hat sich Katja Haß mal wieder ordentlich austoben können. Eine eindrucksvoll dimensionierte Raumflucht hat sie auf die grüße Bühne des Deutschen Theaters gestellt. Grüne Wände, die ihre besten Tage lange hinter sich hatten, und die schon großflächig mit braunen Flecken durchsetzt sind (oder ist es umgekehrt?), ein Hauptraum und eine Art Seitenflügel mit leicht erhöhtem Nebenzimmer, Kellergeschoss und einer Fluchtgalerie auf Höhe des 2. Rangs. Hier lebt die Familie Wingfield: allein erziehende Mutter, vom Leben als Schriftsteller träumender Sohn, behinderte Tochter, die sich am liebsten in private Träume zurückzieht und die Welt meidet, wo sie nur kann. Doch warum kleben an der Decke Neonröhren wie im Großraumbüro, stehen die Nähmaschinen (immer hin drei) in Reih‘ und Glied wie in einer Fabrik? Eine Anspielung auf den Tagesjob von Sohn Tom, der Schuhe produziert, statt Romane zu schreiben, um die Familie über Wasser zu halten?Vielleicht. Auf jedem Fall ist die Bühne schon ein guter Indikator dafür, was den Zuschauer in diesen mehr als zweieinhalb Stunden erwartet: viel Unentschiedenheit, null Haltung, aber dafür ein Überfluss an Ausdrucksmodi und gestalterischen Mitteln. Sogar zwei Hühner gibt es, die Tochter Laura des öfteren herausholt und sehnsüchtig betrachtet. Eine Idee braucht es dann offensichtlich nicht mehr. Vielleicht war aber auch einfach keine Zeit mehr dafür.

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Bild: Arno Declair

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Der Blick aus dem Fenster

Tennessee Williams: Die Glasmenagerie, Komödie am Kurfürstendamm, Berlin (Regie: Katharina Thalbach)

Von Sascha Krieger

Das Theater und die Komödie am Kurfürstendamm haben schon bessere Tage erlebt. Der neue Inhaber der Immobilie, zu der die traditionsreichen Bühnen gehören, hat hoch fliegende Pläne, die den Abriss der Theater beinhalten, die Existenz der beiden führenden Boulevardtheater-Bühnen der Hauptstadt ist akut gefährdet. Protestplakate zieren seit Wochen die Stadt, doch das Effektivste, was ein Theater in dieser Situation tun kann, ist, seine Relevanz zu beweisen. Da kommt ein Abend wie dieser gerade recht: Katharina Thalbach ist ein Name, der seit Jahrzehnten für Unterhaltung und Qualität steht, eine Berliner Institution, die Unterscheidungen von Boulevard und „seriösem“ Theater noch nie zugelassen hat. Die Berliner Prominenz lässt sich da nicht zweimal bitten: Neben so manchem halbvergessenen TV- und Filmgesicht versammelte die Premiere nicht weniger als einen (ehemaligen) Regierenden Bürgermeister, zwei Kulturstaatssekretäre und einen leibhaftigen Weltmeister-Bundestrainer. Es steht nicht zu befürchten, dass sich viele der Anwesenden gelangweilt haben. Vielmehr werden sie gesehen haben, was ein Theater wie dieses einer Stadt wie Berlin geben kann: Unterhaltungstheater auf hohem Niveau. Sollte diese Premiere ein Zeichen an die Stadt sein, dann ist die Botschaft eindeutig: Liebes Berlin, wir brauchen dich, aber du brauchst uns auch.

Bild: Barbara Braun

Bild: Barbara Braun

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Karussell der Hoffnung

Theatertreffen 2013 – Tennessee Williams: Orpheus steigt herab, Münchner Kammerspiele (Regie: Sebastian Nübling)

Von Sascha Krieger

Orpheus steigt herab gehört zumindest kommerziell den Misserfolgen des Dramatikers Tennessee Williams. Bis heut zählt es zu den selten gespielten Stücken des Amerikaner. Das ist umso erstaunlicher, als hier all die Themen Williams‘ mit einer Konsequenz verhandelt werden wie kaum sonst in seinem Werk. Macht und Gewalt, Ausgrenzung und soziale Kälte, das grausame Spiel der Mächtigen mit den Machtlosen, die immer schon zum Scheitern verurteilte Rebellion der Ausgestoßenen: Orpheus steigt herab ist so etwas wie die Essenz von Tennessee Williams Weltsicht, selten war dieses Universum brutaler, kälter, eine Flucht aussichtsloser. Wahrscheinlich hat diese Unerbittlichkeit einiges damit zu tun, dass das Stück nie Erfolg, Bekannt- und Beliebtheit anderer Williams-Stücke erreicht hat. Sebastian Nübling hat sich dieses dramatischen Stiefkinds angenommen und erzählt die Geschichte des Außenseiters Val, der Unruhe in eine repressive Südstaatengemeinde bringt, die nur durch größtmögliche Gewalt beendet werden kann. am Ende sind zwei Menschen tot und die Ordnung wieder hergestellt. Nübling setzt bei seiner Version von Williams‘ so vernichtender Gesellschaftskritik ganz auf atmosphärische Dichte und starke Körperlichkeit, er erzählt die Geschichte vor allem zwischen den Worten und entfaltet dabei einen ganz erstaunlichen Sog.

Foto: Julian Röder
Foto: Julian Röder

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Tennessee Williams: Endstation Sehnsucht, Berliner Ensemble (Regie: Thomas Langhoff)

Es scheint so etwas wie ein Reflex zu sein: Kaum entscheidet sich irgendwo ein Theater dazu, Endstation Sehnsucht zu inszenieren, muss ein Star her. Früher ging es dabei meist um die in Uraufführung wie Verfilmungvon Marlon Brando verkörperte Figur des Stanley Kowalski, heute steht meist Blanche DuBois im Fokus, jene verlorene, zwischen der harten Realität und dem eigenen Gefühl, etwas Besseres zu sein, ja, sein zu müssen, aufgeriebene Gestalt. Erst kürzlich war Isabelle Huppert in Berlin im Rahmen der spielzeit’europa in dieser Rolle zu sehen, jetzt ist es Dagmar Manzel am Berliner Ensemble. Weiterlesen

spielzeit’europa – Un Tramway nach Tennessee Williams, Odéon-Théâtre de l’Europe Paris (Regie: Krzysztof Warlikowski)

Am Anfang, die Bühne ist noch dunkel, nur ein einzelnes Licht erhellt eine einsame Figur auf einem Barhocker, auf einer verglasten Galerie im Bühnenhintergrund, die Beine gespreizt. Sie rezitiert einen Kinderreim, irgendwo im Dreieck zwischen Laszivität, Unsicherheit und Unschuld. Ein Bild der Einsamkeit, der fortschreitenden Vereinsamung, der Einkapselung in sich selbst. Eion Bild, in dem die weitere Geschichte bereits vorweggenommen ist. Der Kinderreim wird am Ende wiederkehren. Stanley Kowalski wird ihn sprechen, um Blanche, die längst in sich gefangen ist, zu beruhigen, bevor sie weggebracht wird, in die Psychiatrie.

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