Archiv der Kategorie: Sven Regener

Abschied in den Nebel

Leander Haußmann und Sven Regener: Die Danksager, Berliner Ensemble (Regie: Leander Haußmann, Sven Regener)

Von Sascha Krieger

Die Luft ist raus. Das ist nicht erst zu Beginn dieses letzten Abends der Ära Claus Peymann am Berliner Ensemble zu spüren. Da sitzen Norbert Stöß und Karla Sengteller vor dem schweren roten Vorhang und langweilen sich. Sie sind Assistent*innen einer Einrichtung der darstellenden Künste – der Begriff Theater fällt nie – und halten die Maschine am Laufen, wohl wissend, dass das nicht mehr allzuviel bringt, weil das Haus dem Untergang geweiht ist. Man macht halt weiter, so lange die Lichter nicht aus sind. Natürlich ist das symbolisch gemeint, ist Die Danksager ein letzter, nachgeschobener Abschied auf das Haus, das seine bisherigen Protagonist*innen und wohl auch so mancher langjähriger Besucher – Achtung: Parallele zu einem anderen Theater gar nicht so weit entfernt – im Sommer untergehen sieht. Das Ende der Geschichte ist gekommen, was folgt, sind traditionslose Gesellen, Vertreter*innen einer charakter- und gesichtslosen, leicht verpflanzbaren Konsenskunst ohne Wurzeln. Man kennt die Diskussion. Doch so sehr Peymann und Team versuchen, diese dystopische Botschaft zu vermitteln, so wenig verfängt sie doch. Das liegt zum einen daran, dass jenes andere Haus dieses Thema so meisterlich für sich zu reklamieren vermocht hat, zum anderen daran, dass hier, wo Brecht bronzen-stumm vor dem Eingang sitzt, eben doch schon länger, nun ja, die Luft eben raus ist.

Bild: Marcus Lieberenz

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Die Mauerstadt-Kasper

Sven Regener: Der kleine Bruder, Maxim Gorki Theater Berlin (Regie: Milan Peschel)

Von Sascha Krieger

Am Anfang steht da ein Auto auf der Bühne, ein Fiat Panda, das alte, kastenförmige Modell aus den Achtzigern. Ein Statussymbol für die, die anders sein wollten als ihre spießigen Eltern mit den großen Autos süddeutscher Marken. So wie die Adresse in Berlin-Kreuzberg, jenem alternativen Biotop inmitten des großen eingemauerten Gewächshauses Westberlin, wo sich die Kreativen trafen und die, die sich dafür hielten, die nach Utopien strebten, nach anderen Arten des Zusammenlebens, oder die auch nur der Bundeswehr entgehen wollten oder der Provinz entfliehen. Am besten in einem besetzten Haus. Mehr Freiheit ging nicht. So ein Suchender ist Frank Lehmann, Held der erfolgreichen Romantrilogie Sven Regeners. Hier ist er noch nicht „Herr Lehmann“. Gerade als untauglich dem Wehrdienst entkommen, ist er nun auf dem Weg in sein gelobtes Land, Kreuzberg. Mit seinem Kumpel Wolli, einem Punk, und dem klapprigen Kleinwagen geht es über die Transitstrecke. Es ist ein starker Beginn, dem nicht mehr viel folgt.

Der kleine Bruder

Auf dem Weg ins Leben (Foto: Thomas Aurin)

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