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Iphigenie im Call Center

Nach Euripides und Stefanie Sargnagel: Iphigenie. TRAURIG UND GEIL IM TAURERLAND, Volksbühne Berlin (Regie: Lucia Bihler)

Von Sascha Krieger

„Ihr seid nichts, ich bin alles“. Und: „Ich bin Goethe.“ Die weißen Hochzeitskleider haben sie abgeworfen, die fünf Iphigenien. Trauer muss Elektra tragen, aber das schwarz steht auch der Schwestern. Emazipatorisch ist es, aufgereiht stehen sie da im Dämmerlicht, einige mit den Füßen im Wasser, abgeworfen die Insignien patriarchaler Frauenbilder. Jetzt reklamieren sie die Welt für sich, die Hauptrolle in ihr – und sich selbst. Nicht Goethe definiert, wer Iphigenie ist oder zu sein hat, sie selbst tut es. Widerstand ist zwecklos. Plakativ ist das Schlussbild dieses Abends, der eigentlich gerade nicht auf Goethes Bearbeitung basiert und sie, die die Rezeption der Figur im deutschsprachigen Raum so geprägt hat, natürlich stets mitdenkt. Es ist Euripides‘ Drama, das im ersten Teil des Abends die Grundlage bildet. Oder vielleicht eher einen Steinbruch, aus dem das Material zusammengesammelt wird, das dann eine neue Skulptur entstehen lässt, eine matriarchale, widerständige oder vielleicht einfach nur zerstörende.

Bild: Katrin Ribbe

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