Archiv der Kategorie: Staatstheater Kassel

Im Haus der toten Augen

Theatertreffen 2016 – Ersan Mondtag: Tyrannis, Staatstheater Kassel (Regie: Ersan Mondtag)

Von Sascha Krieger

Dunkel, in der Ferne singen Vögel. Der Zuschauer blickt in ein Wohnz- und Esszimmer, dahinter eine Küche, eine Terrassentür, Birken. Das ist bestenfalls zu erahnen. Das Haus schläft, ebenso seine Bewohner, beobachtet von Überwachungskameras in den übrigen, verborgenen Räumen. Die ersten 20 Minuten von Ersan Mondtags Tyrannis sind ei9ne Geduldsprobe – und eine Übung im Hinschauen und Hinhören, im Aushalten der Stille. Friedlich ist sie, diese Idylle, und doch liegt hier sofort eine Spannung über der Szenerie, die sich kaum definieren lässt. Liegt es an der erahnbaren Spießigkeit des Ambientes oder an der Enge des Bühnenraums? So weit er zu reichen scheint, so klar ist er abgegrenzt. Er ist eingezwängt in einen schweren, massiven Holzrahmen mit niedriger Decke. Fast wie eine Miniatur im Fach eines überdimensionalen Setzkastens. Hübsch anzuschauen, aber unbeweglich, künstlich, tot.

Bild: Nils Klinger

Bild: Nils Klinger

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Neue Stimmen

Das Theatertreffen 2016 feiert die Vielfalt

Von Sascha Krieger

Es ist eines der beliebtesten Rituale im deutschsprachigen Theaterbetrieb: Kaum sind die Nominierungen für das Theatertreffen bekanntgegeben, lässt sich genüsslich schimpfen und kritisieren. Natürlich ist auch 2016 keine Ausnahme: Favorisierte Inszenierungen und hochgehandelte Namen fehlen, die freie Szene ebenso und auch die „neuen Länder“ glänzen allein durch Abwesenheit. Das Stadt- und Staatstheater feiert fröhliche Urständ und sitzt so fest im Sattel wie lange nicht mehr. Und die wenigen Häuser, die konsequent die Realität einer multimedialen und zunehmend virtuellen Wirklichkeit aufnehmen und sich an ihr reiben, wie etwa das Theater Dortmund, wurden erneut ignoriert. Die Auswahl der zehn Inszenierungen lässt sich aus unterschiedlichsten Blickwinkeln kritisieren und zumeist mit einigem Recht.

© Berliner Festspiele

© Berliner Festspiele

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