Archiv der Kategorie: Staatstheater Karlsruhe

Der Boden unter den Füßen

Theatertreffen 2016 – Hans-Werner Kroesinger: Stolpersteine Staatstheater, Badisches Staatstheater Karlsruhe (Regie: Hans-Werner Kroesinger)

Von Sascha Krieger

Dem ganzen Volke solle Theater dienen, nicht nur einigen intellektuellen Eliten, sich allen Schichten öffnen, ihnen Kunst zugänglich machen. Bei solchen aussagen erwischt man sich schnell dabei, reflexhaft zu nicken. Doch dann ist plötzlich davon die rede, Kunst und Theater seien nie international, sie müssten national sein, Teil der Stärkung nationaler Identität und nationalen Selbstbewusstseins. Nein, was wir hier zu Beginn von Hans-Werner Kroesingers Stolpersteine Staatstheater hören, ist nicht irgend ein progressiver Appell für ein offenes Theater. und eine offene Kunst, sonders ein Paradebeispiel nationalsozialistischer Kulturpropaganda, bei der der vermeintliche Kampf gegen Eliten und kulturelle Ausgrenzung stets Vehikel ist, um wirkliche und längst nicht mehr nur kulturelle Ausgrenzung zu betreiben. Wie alle kulturellen Institututionen betrachteten die Nazis auch das Theater als Schlachtfeld ihres „Kampfes“, verschwendeten sie keine Zeit, den Theaterbetrieb von allem zu „säubern“, was ihrer Ideologie im Wege stand. Das waren vor allem die jüdischen Mitarbeiter*innen, die schon wenige Monate nach Hitlers Machtergreifung aus den Theatern entfernt waren.

Bild: Florian Mendes

Bild: Florian Mendes

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Neue Stimmen

Das Theatertreffen 2016 feiert die Vielfalt

Von Sascha Krieger

Es ist eines der beliebtesten Rituale im deutschsprachigen Theaterbetrieb: Kaum sind die Nominierungen für das Theatertreffen bekanntgegeben, lässt sich genüsslich schimpfen und kritisieren. Natürlich ist auch 2016 keine Ausnahme: Favorisierte Inszenierungen und hochgehandelte Namen fehlen, die freie Szene ebenso und auch die „neuen Länder“ glänzen allein durch Abwesenheit. Das Stadt- und Staatstheater feiert fröhliche Urständ und sitzt so fest im Sattel wie lange nicht mehr. Und die wenigen Häuser, die konsequent die Realität einer multimedialen und zunehmend virtuellen Wirklichkeit aufnehmen und sich an ihr reiben, wie etwa das Theater Dortmund, wurden erneut ignoriert. Die Auswahl der zehn Inszenierungen lässt sich aus unterschiedlichsten Blickwinkeln kritisieren und zumeist mit einigem Recht.

© Berliner Festspiele

© Berliner Festspiele

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