Archiv der Kategorie: Simone Young

„Leitmotiv: Chef“

Immersion – Jonathan Meese / Bernhard Lang / Simone Young: Mondparsifal Beta 9–23
(Von einem, der auszog den „Wagnerianern des Grauens“ das „Geilstgruseln“ zu erzlehren…), Haus der Berliner Festspiele / Wiener Festwochen (Regie: Jonathan Meese)

Von Sascha Krieger

Die Vorgeschichte dürfte mittlerweile hinlänglich bekannt sein: Vor einigen Jahren luden die Bayreuther Festspiele Jonathan Meese ein, Regie bei einer Neuproduktion des Parsifal zu führen. 2016 sollte es so weit sein, doch schon zwei Jahre zuvor löste man den Vertrag schon wieder auf. Aus Kostengründen, wie es hieß. Meese – und so ziemlich jeder, der sich mit dem „Grünen Hügel“ auskennt – hält das für Blödsinn. Wohl eher wahr Meese nicht so recht Klüngel-kompatibel, kontrollierbar, vor allem auch kommunikativ begrenzbar. Meese scheint das noch lange nicht verwunden zu haben: Beim knapp zweistündigen mittäglichen Presserundgang (der eigentlich ein Monolog ist) wettert er gefühlt fünf Stunden über die Gestrigen in Bayreuth. Kultur sei das, Politik auch, beide zu verorten in der Vergangenheit. Die Zukunft dagegen sei Kunst. Man kennt das von ihm. In jedem Fall hat Meese die Ablehnung als das genommen, was jeder Aspekt der von ihm verachteten Realität ist oder sein kann: Material für seine Kunst. Jetzt macht er seinen eigenen Parsifal, zunächst in einer „Alpha-Fassung“ im Sommer bei den Wiener Festwochen, jetzt in Berlin. Evolution ist ein zentraler Teil seines Kunstbegriffs. Also entwickelt er weiter. Kunst ist schließlich Veränderung. Oder, wie er es ausdrücken würde, „Chef“.

Bild: Jan Bauer, Courtesy of Jonathan Meese

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