Archiv der Kategorie: Sebastian Hartmann

Wir Schattenwesen

Krieg und Frieden nach Lew Tolstoi, Centraltheater Leipzig (Regie: Sebastian Hartmann)

Von Sascha Krieger

Vielleicht hat ja so mancher das Leipziger Publikum bisher unterschätzt: Als Sebastian Hartmanns fünfeinhalbstündiger Theaterbrocken Krieg und Frieden im Mai bei den Ruhrfestspielen Premiere hatte, konnten anwesende Zeugen einen wahren Zuschauerexodus beobachten, der am End nur noch ein Drittel der zu Beginn Anwesenden übrig ließ. In Leipzig dagegen geht kaum jemand – die den Leipzigern während der Intendanz Hartmanns oft abgesprochene Bereitschaft sich auf sperrige, fordernde, komplexe Theaterabende einzulassen, ist als offensichtlich da und so beobachtet man bei einer von Hartmanns letzten Leipziger Inszenierungen plötzlich volle Häuser und begeisterten Schlussapplaus. Und des völlig zu Recht: Wenn einmal die Theatergeschichte dieses Jahrzehnt geschrieben werden wird, sollte Krieg und Frieden mehr sein als eine Fußnote. Im Gegenteil: Hartmann und sein grandioses Ensemble erinnern auch den abgebrühtesten Theatergänger daran, wie Theater auch heute noch Augen, Ohren und Verstand öffnen kann, wie es die ganz großen Fragen debattieren und dabei weder anstrengen noch langweilen kann. Sebastian Hartmann hat Leipzig kurz vor dem Abschied noch einen ganz großen Abend geschenkt, das vielleicht auch seinem Nachfolger Enrico Lübbe Inspiration sein kann.

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Gute-Nacht-Geschichte mit roher Leber

Hans Fallada: Der Trinker, Maxim Gorki Theater Berlin / Centraltheater Leipzig (Regie: Sebastian Hartmann)

Von Sascha Krieger

Und weiter geht’s mit den Fallada-Festspielen am Maxim Gorki Theater. Nach Jeder stirbt für sich allein  jetzt also Der Trinker, produziert in Zusammenarbeit mit dem Leipziger Centraltheater und inszeniert von dessen (scheidendem) Intendanten Sebastian Hartmann. Zwei Häuser inmitten einer Intendantensuche begeben sich mit Fallada auf Sinnsuche. Mit Samuel Finzi ist auch noch einer der profiliertesten und spannendsten deutschsprachigen Theaterschauspieler dabei, für das Bühnenbild zeichnet der Leipziger Maler Tilo Baumgärtel verantwortlich und neben Finzi und Andreas Leupold steht (oder besser: sitzt) mit Steve Binetti auch noch ein Livemusiker auf der Bühne. Leider klingt das um Längen besser, als es ist an diesem Abend, der viel will, der schläfrig beginnt, dann plötzlich in den Overdrive-Modus umschaltet, aber zwischen den beiden Extremen nie seine Mitte findet.

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