Archiv der Kategorie: Rainald Goetz

Kunst-Gewerbe

Rainald Goetz: Jeff Koons, Schaubühne am Lehniner Platz (Studio), Berlin (Regie: Lilja Rupprecht)

Von Sascha Krieger

Es gab einmal eine Zeit, da war der sicherste Weg, einen handfesten Streit in einer runde kunstinteressierter Menschen auszulösen, zwei Worte zu erwähnen: Jeff Koons. Der US-Amerikaner war nicht nur der erfolgreichste Künstler der 1980er-Jahre, sondern auch der umstrittenste. Er bediente sich in Popkultur, Alltag und Werbung, bei den Ikonen westlicher Massenkultur, spielte mit Kitsch, überhöhte ihn, nutzte ihn aus, war ein Meister, ein Virtuose, ein Kenner der Oberfläche in einer oberflächlichen Welt. In der bunt skurrilen Prä-Apokalypse der Spätphase des Kalten Krieges war er ein Seismograph westlicher Dekadenz, der gern auch als ihr Apologet (miss?)verstanden wurde. Er heiratete einen Pornostar und war in eine Reihe von Plagiatsverfahren involviert. Wenn es einen Künstler gab (und gibt), der die brüchigen Grenzen von Kunst und Leben, zwischen Kreativität und Kitsch, zwischen Anspruch und Trash exemplarisch aufzuzeigen vermochte, weil er sie von allen Seiten ständig überschritt, dann Koons, der – noch so ein Sakrileg – nie ein Problem damit hatte, viel, sehr viel Geld mit seiner Kunst zu verdienen.

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Bild: Arno Declair

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Der Wahn, den wir Sinn nennen

Rainald Goetz: Krieg, Berliner Ensemble (Regie: Robert Borgmann)

Von Sascha Krieger

Ein „Krieg der Sprache gegen sich selbst“: So beschreibt Stefan Krankenhagen Rainald Goetz‘ Krieg im Programmheft zu einem echten Kraftakt. Denn Robert Borgmanns Inszenierung ist die erste, die Goetz‘ 1986 erschienene Trilogie an einem Abend auf die Bühne bringt. In stark gekürzter Form, versteht sich, doch auf deutlich mehr als vier Stunden bringt es dieser Abend auch so. Wobei Zeit als eines der Leitmotive von Goetz‘ Textmonster  stets präsent ist. Nicht länger als 90 Minuten solle ein Theaterabend dauern, heißt es gegen Beginn des Stücks einmal – eine Regel, die Goetz auf aggressivst mögliche Weise bricht. Irgendwann fährt eine riesige Uhr wie ein Raumschiff herunter. Zusammengesetzt aus Achtecken und einem Quadrat, propagiert es eine Ordnung, welche die Figurenbruchstücke und Textfragmente stets suchen und nicht findet können. Ein blutroter Zeiger schleicht und rast, die Zeit ist Willkür, nicht vorhersehbar und außer Kontrolle. Keine Ordnung nirgends. Und ja, der Abend fühlt sich immer wieder – besonders in der letzten halben Stunde vor der Pause und in beiden Teilen danach – sehr lang und langsam an, testet die Geduld des Zuschauers, strengt an, provoziert des Besuchers Wohlwollen.

Bild: Julian Röder

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