Archiv der Kategorie: Rafael Sanchez

„Ich bin hier das Relikt“

Jutta Wachowiak erzählt Jurassic Park. Ein Theaterabend von Jutta Wachowiak, Eberhard Petschinka und Rafael Sanchez, Deutsches Theater (Box), Berlin (Regie: Rafael Sanchez)

Von Sascha Krieger

Basstief erfüllen Erschütterungen die kleine Box des Deutschen Theaters, bedrohliche Klänge dräuen, Nebel wabert. Dann öffnet sich die Tür und heraus tritt eine eher zierliche Frau Ende 70. „Guten Abend“, sagt sie, „Ich bin hier das Relikt.“ Über 30 Jahre war Jutta Wachowiak nicht weg zu denkender Teil, ja Star des Ensembles dieses Theaters. Dann kam, was sie den „Umbruch“, andere „Wende“ nennen. Plötzlich galt sie als staatstragend, sie haderte mit dem neuen Land, dieses ignorierte sie, immer seltener wurde sie besetzt. Dann der Bruch, sie ging nach Essen, in die „Provinz“, betrat „ihr“ Deutsches Theater sieben Jahre lang nicht mehr, arbeitete mit jungen Regisseuren und entdeckte dabei ihre Freunde am Theater wieder. Einer von ihnen war Rafael Sanchez, der sie 2012 erstmals wieder am DT besetzte und ihr jetzt gemeinsam mit Autor Eberhard Petschinka einen Ein-Frau-Abend in der intimen kleinsten Spielstätte ihrer einstigen künstlerischen Heimat auf den Leib schneidert. Ein Abend, der zurückschaut, auf das eigene Leben, die Versäumnisse, die Kränkungen, aber auch die Neuanfänge, das Aufstehen nach so manchem Fall. Und er tut dies weder im Zorn noch ertrinkend in Nostalgie.

Bild: Arno Declair

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Würfelspiel mit fünf Damen

William Shakespeare: Coriolanus, Deutsches Theater/Kammerspiele, Berlin (Regie: Rafael Sanchez)

Von Sascha Krieger

Das muss doch eigentlich passen: „Macht Gewalt Demokratie“ lautet das Spielzeitmotto des Deutschen Theaters, da drängt isch ein Stück wie Shakespeares Coriolanus geradezu auf. Die Geschichte vom Helden und charismatischen Anführer, der sich zwischen Idealismus und Pragmatismus, kompromisslosem Kampfeswillen und den Niederungen der Realpolitik aufreibt, der sich weigert, dem Volk nach dem Mund zu reden und dafür von diesem gestürzt wird, ist vielleicht Shakespeare auf den ersten Blick gegenwärtigste seiner zahlreichen dramatischen Auseinandersetzungen mit Macht und den Deformierungen, die so oft mit ihr einherzugehen scheinen. Die würdige und verdienstvolle Führerfigur, die am – so leicht manipulierbaren Volkswillen scheitert, der Aufrichtige, dem der demokratische Prozess zum Verhängnis wird – ließen sich daraus nicht so zahlreiche und grelle Funken schlagen, dass sie in der Lage wären, all unsere Leiden am politischen Prozess – jene der Bevölkerung an der Politikerschicht wie deren am Wahlvolk – zu erhellen? Gewiss, nur nutzt Rafael Sanchez mit seiner lieblos und weitgehend jeglicher Interpretation sich verweigernden Inszenierung keine dieser Chancen.

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