Archiv der Kategorie: Philippe Quesne

Topfschlagen mit Oktopus

Philippe Quesne: Crash Park – Das Leben einer Insel, Hebbel am Ufer (HAU2), Berlin  (Regie: Philippe Quesne)

Von Sascha Krieger

Philippe Quesne ist so etwas wie der Endzeitpoet des europäischen Theaters. Er schickt namenlose Menschenskizzen in seltsame Weltminiaturen irgendwo zwischen Apokalypse und Utopie, zwischen Ende und Anfang und lässt sie machen, was Menschen so machen. Das ist auch in Crash Park nicht anders. Der dem Publikum zunächst einen steifen Halt verpasst. Denn das Geschehen spielt sich anfangs links und rechts der Bühne ab, auf Fernsehbilödschirmen, die das Innere eines Flugzeugs zeigen. Bevölkert von allerlei mehr oder minder stereotypen Karikaturen: Althippies, Businesstypen, coole Hip-Hop-Versteher. Dazu eine Crew, die bedient und sich in der Bordküche versammelt, um Shots zu kippen. Ein vollkommen realistisches Szenario, mit genügend Skurrilität aufgeladen, dass es sich selbst ausreichend untergräbt. Denn um Naturalismus geht es Quesne nun wirklich nicht, er ist ein Bildermaler und Märchenerzähler, ein augenzwinkernder Parabel-Erfinder, dessen „Moral“ gern ins ironisch Leere läuft. Das ist auch diesmal so.

Das HAU2 (Bild: Sascha Krieger)

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Müder Kindergeburtstag

Philippe Quesne / CAMPO: Next Day, Hebbel am Ufer/HAU1, Berlin (Regie: Philippe Quesne)

Von Sascha Krieger

Der französische Theatermacher Philippe Quesne arbeitet auf Einladung des belgischen Kunstzentrums CAMPO erstmals mit Kindern. So sagt es uns der Ankündigungstext zu Next Day, und damit sind die 60 Minuten bereits ausreichend umschrieben. Dabei liegt in einer solchen Ausgangslage etliches Potential: Gob Squad etwa gelang in ihrer Zusammenarbeit mit CAMPO ein faszinierendes Spiel des Lebens mit einem beeindruckenden jugendlichen Ensemble, das es sogar zu einer Einladung zum Theatertreffen brachte. Den jungen Darstellern von Next Day wäre sicher ähnliches zuzutrauen – nur tut Quesne das nicht. Von der ersten Minute an ist deutlich, das ihm nicht wirklich etwas einfällt, was er mit den Neun- bis Zwölfjährigen machen soll. Also wirft er mit Klischees um sich: Die Kinder dürfen zeichnen, mit Schaustoff werfen, Superhelden spielen – die „Superheldenschule“ ist so etwas wie die halbherzige Rahmenhandlung – herumtoben, und weil wir uns ja im kulturellen Umfeld bewegen, spielen sie natürlich auch alle ein Instrument.

Foto: Sascha Krieger

Foto: Sascha Krieger

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Maulwurf mit W-LAN

Foreign Affairs 2013 – Philippe Quesne / Vivarium Studio: Swamp Club (Regie: Philippe Quesne)

Von Sascha Krieger

Zunächst ist alles dunkel. Nebel wabert über eine Sumpflandschaft, darin ein Glaskasten, rechts eine Art Höhleneingang, dazu erklingt Schostakowitschs achtes Streichquartett. Sonst passiert nichts, minutenlang. Irgendwann kommt eine Person mit einer seltsamen Kopfbedeckung, die an Grimms Zwerge erinnert, in den Glaskasten, dann eine zweite, eine dritte, eine vierte. Eine Leinwand wird aufgezogen, darauf ein Computerbild, eine 3D-Animation des Gebäudes. Bedächtig murmelnd bewegt man sich durch die virtuellen Räume, setzt Musikerfiguren ein verschiebt sie, bis irgendwann ein echtes Streichquartett dazukommt und beginnt zu spielen. Schubert diesmal, Der Tod und das Mädchen. Langsam wird es heller, als begänne sacht der Tag in dieser verwunschenen, entrückten, entschleunigten Welt, in diesem verschrobenen Kulturzentrum namens Swamp Club, weit entfernt von Trubel unserer Zeit, entrückt in Raum und Zeit. Und doch ist da ein Fenster, durch das Hochhäuser sichtbar werden, zeigt eine Leuchttafel das Tagesprogramm an, verfügt das Zentrum über W-LAN und Sauna.

Foto: Martin Argyroglo

Foto: Martin Argyroglo

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