Archiv der Kategorie: Oliver Schmaering

Die zertrümmerte Effi

Nach Theodor Fontane (Fassung von Kay Wuschek und Oliver Schmaering): Effi, Theater an der Parkaue, Berlin (Regie: Kay Wuschek)

Von Sascha Krieger

Effi also. Ja, genau die. Geborene Briest, verheiratete von Innstetten. Die mit der Affäre und dem Major und dem Duell. Man kennt das. Deutsch-Unterricht, Oberstufe. Kanon halt. Der Begriff war ja gerade mal wieder in aller Munde, nachdem Die Zeit eine Liste von Autoren und werken veröffentlichte, die „man“ gelesen haben sollte. Effi Briest war vermutlich drauf. Es hätte zumindest gepasst, schießlich umfasste der Kanon fast nur Männer. Die Frau in der zweiten Reihe, als Objekt, hübscher Hintergrund. Das kennt auch Effi zur Genüge. Die Naive, Unabhängige, die ihre Rolle nicht findet und nicht akzeptiert und dafür abgestraft wird. Für die es am Ende nur noch eine Funktion gibt: Opfer. Was anderes ist nicht vorgesehen. Keine heutige Figur, schließlich haben wir Jahrzehnte Emanzipation, Feminismus, Gleichstellung hinter uns. Was also anfangen mit dieser aus der Zeit Gefallenen? Die Antwort von Parkaue-Intendant Kay Wuschek heißt – wie immer bei ihm: Theater. Der Ort, wo mit fremden Rollen experimentiert wird, man versuchen kann, sich in selbige hineinzutasten, man Welten kreiert, die Illusion sind, Vorstellung und doch auf den Bühnenbrettern seltsam real werden.

Bild: Christian Brachwitz

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