Archiv der Kategorie: Mathias Schönsee

Hamsterrad im Bewusstseinsraum

Autorentheatertage 2013 – Moritz Rinke: Wir lieben und wissen nichts, Theater Bern (Regie: Mathias Schönsee)

Von Sascha Krieger

So ganz neu ist die Konstellation nicht: Zwei Paare treffen sich und schon bald nach Austausch der ersten Höflichkeitsfloskeln, fliegen die Fetzen, entstehen volatile, sich immer wieder verschiebende Konstellationen, werden Geheimnisse und Lebenslügen hervorgespült, die harmonische Fassade eingerissen. Edward Albees Who’s Afraid of Virginia Woolf? ist noch immer der Meister aller Klassen dieses Sub-Sub-Genres, Yasmina Reza feierte vor einigen Jahren damit in ihrem Gott des Gemetzels einen Welterfolg. Nun nimmt sich Moritz Rinke dieser Konstellation an und feiert mit Wir lieben und wissen nichts nach sieben Jahren Pause seine Rückkehr auf die Theaterbühne. Vieles ist bekannt: Angesiedelt ist das Stück in der gehobenen Mittelschicht, zumindest ein paar hat den üblichen Akademikerhintergrund, auch hier würfeln sich die Paare munter durcheinander, gibt es Geheimnisse aufzudecken, selbst ein (noch) nicht existierendes Kind spielt eine Schlüsselrolle. Hinzu kommt der Konflikt alt gegen jung, Konservativismus gegen Moderne aus Tschechow und auch Ibsens Lebenslügendramen dürften eine Rolle gespielt haben. Das kommt an: Schon wenige Monate nach der Frankfurter Uraufführung wird es munter auf deutschsprachigen Bühnen nachgespielt.

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