Archiv der Kategorie: Lukas T. Sperber

Die zappelnde Hoffnung

Lukas T. Sperber: Penthesilea ist mager, Theater unterm Dach, Berlin (Regie: Lukas T. Sperber)

Von Sascha Krieger

Tiresias hat seine besten Tage lang hinter sich. Der große Seher antiker Tragödien wurde zur Reinigungskraft degradiert. Im Bühnenarbeiter-Outfit fegt er ihn hinweg, den Dreck der Vergangenheit. Über die Kanten, in die Ritzen der Welt bedeutenden Bretter. Dass er nicht verschwindet, dass er nur in seinen Löchern wartet, bis er Verstärkung findet, weiß er. Das ist egal, denn er wird es nicht mehr sehen. Der graue Star hat ihn im Griff, bald wird er ganz blind sein, das soziale Netz fängt ihn nicht auf. Egal, die Zeit für Seher ist lange vorbei, jene, in der wichtig schien, was die Zukunft bringen würde. Jetzt herrscht allein die Vergangenheit. Und so bleibt er, der abgeranzte alte Zyniker, gespielt von Tom Gramenz, spätestens seit Das schweigende Klassenzimmer, ein Hoffnungsträger der jüngeren Schauspielergeneration, Fußnote, wie die Gegenwart, die er repräsentiert, ein albernes Stückchen Zeit im Wartezustand, das nichts mehr zu bieten hat als ein bisschen Mitleid und die Hoffnung aufs Ende.

Das Theater unterm Dach (Bild: Sascha Krieger)

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