Archiv der Kategorie: Luchino Visconti

Who’ll Break the Circle?

Based on the film by Luchino Visconti: Obsession, Toneelgroep Amsterdam / Barbican Centre, London / Wiener Festwochen (Director: Ivo van Hove)

By Sascha Krieger

Emptiness. A bare, somewhat modernist room filled with nothingness. Cool, functional, lifeless. Two people, far apart. If there is a relationship, it’s one of power. The distance is palpable. In the middle of Jan Versweyveld’s stage, there is an old large engine hanging from the ceiling. It stutters then goes out. A young man enters the stage, wistfully playing the harmonica. He will get the engine started – in more than one way. Luchino Visconti’s debut film Ossessione is a tale of unbridled passion and its destructiveness. The juxtaposition of a cold, power-based marriage and the heat of an obsessive affair leads to disaster. There is no middle ground, no gray among the black and the white. In Ivo van Hove’s stage adaptation, the sweltering heat of the film is replaced by a chilling coolness. Spaces are wide, distances large, bodies tense. When Gino, the young drifter, and Hanna, the oppressed, wife finally get together, a suspended accordion is playing. The bodies dance a ballet of constricted, obsessive passion. The climax is signalled by long-held dissonant chord. Closeness is achieved, the distance overcome. Nothing is good.

The Barbican Centre (Image: Sascha Krieger)

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Rocco und seine Brüder, nach dem Film von Luchino Visconti, Maxim-Gorki-Theater Berlin (Regie: Antú Romero Nunes)

Es gibt Theaterabende, die erschließen sich am besten über ihren Anfang und ihr Ende. Zu Beginn ist da eine Gruppe, bestehend auf fünf Figuren,  eine Familie, wie wir später erfahren. Sie haben Koffer dabei, stellen sie ab, öffnen sie und kleiden sich an. Einheitlich, Mantel, dunkle Hose, kariertes Hemd, Schal. Am Ende sind sie wieder da. Ein Junge steht an der Rampe und sing. Ein trauriges Lied, ein sehnsuchtsvolles. Einer nach dem anderen gehen die anderen von der Bühne, nicht mehr gleich gekleidet geht jeder für sich, einzeln, allein. Dieser Gegensatz fasst die Geschichte, die Visconti in seinem Film und Antú Romero Nunes an diesem Abend erzählt haben, treffend zusammen. vom wir zum ich, von der Familie zum Individuum, eine Geschichte des Zerfalls althergebrachter Ordnungen, des Auseinanderbrechens von Traditionen. Das Ende des Alten, gemordet durch das Neue.

Bei Visconti ist das durchaus als schmerzlicher Verlust gemeint, das Neue negativ codiert. Ein Blick in das Programmheft deutet an, dass das auch hier der Fall ist: Texte von Pasolini füllen es, jenem Idealisten des alten, des bäuerlichen Italiens. Und doch ist das, was Romero Nunes auf die Bühne bringt, so eindeutig nicht. Er beschreibt Beziehungsverlust und Individualisierung und er zeigt den Preis, den die Veränderung kostet, aber seine Wertung ist ambivalenter. Weniger Schwarz und Weiß, mehr Grau.

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