Archiv der Kategorie: Konrad Bayer

Neue Stimmen

Das Theatertreffen 2016 feiert die Vielfalt

Von Sascha Krieger

Es ist eines der beliebtesten Rituale im deutschsprachigen Theaterbetrieb: Kaum sind die Nominierungen für das Theatertreffen bekanntgegeben, lässt sich genüsslich schimpfen und kritisieren. Natürlich ist auch 2016 keine Ausnahme: Favorisierte Inszenierungen und hochgehandelte Namen fehlen, die freie Szene ebenso und auch die „neuen Länder“ glänzen allein durch Abwesenheit. Das Stadt- und Staatstheater feiert fröhliche Urständ und sitzt so fest im Sattel wie lange nicht mehr. Und die wenigen Häuser, die konsequent die Realität einer multimedialen und zunehmend virtuellen Wirklichkeit aufnehmen und sich an ihr reiben, wie etwa das Theater Dortmund, wurden erneut ignoriert. Die Auswahl der zehn Inszenierungen lässt sich aus unterschiedlichsten Blickwinkeln kritisieren und zumeist mit einigem Recht.

© Berliner Festspiele

© Berliner Festspiele

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Im Darm der Sprache

Nach Texten von Konrad Bayer: der die mann, Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz, Berlin (Regie: Herbert Fritsch)

Von Sascha Krieger

Mit der Sprache ist das ja bekanntlich so eine Sache: Sie soll Menschen verbinden, ihnen Interaktion möglich machen, ist eine essenzielle Voraussetzung für das, was wir Gesellschaft nennen. Sie ist eine Übereinkunft, die es uns erlaubt, Gebrochenes und Gemeintes zu korrelieren. Auch diese Rezension – wie überhaupt das Konzept einer Theaterkritik oder auch das Theater selbst – gäbe es ohne sie nicht. Doch Sprache kann auch trennen, sie kann manipulieren, ist Herrschaftsmittel und Folterinstrument, Waffe und Unterdrückungsmittel. Oft trennt sie mehr als sie verbindet, schließt sie aus und verkommt sie für den Nichteingeweihten zu wenig mehr als einem jeder Bedeutung beraubten Klangbrei. Genau so erfahren wir Sprache, wenn wir uns mit den Texten der Dadaisten befassen – und auch jenen ihrer Nachfolger der „Wiener Schule“, Konrad Bayer etwa. Bei ihm wir Sprache zum Selbstzweck, dreht sich um die eigene Achse, mutiert zur leeren Hülle und stellt ihre Künstlichkeit aggressiv aus: etwa in den Begriffskaskaden, in denen sich Silben aus einem Wort befreien und ins darauffolgende stürzen, in den Texten, in denen alle Substantive durch ein Wort (zum Beispiel „Karl“) ersetzt werden und ein wunderbar bedeutugshaltiges Konvolut zum Sprachslapstick wird. Andere Male wird Sprache zum reinen Klangmaterial, werden Worte nicht nach ihrer Bedeutung, sondern ihrer klanglichen Nähe zusammengereiht. Und in wieder anderen Texten, dreht sich eine Geschichte so lange im Kreis oder verteilt sich auf so viele sich immer wieder multiplizierende Nebenschauplätze, dass jedes Sinnversprechen implodiert. Bayer ist ein großer Sprachskeptiker und er hat in Regisseur Herbert Fritsch einen Gleichgesinnten gefunden. Wenn beide zusammenkommen, kann eigentlich nur Irrwitziges entstehen. Oder – wie in diesem Fall – Großes.

Foto: Sascha Krieger

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