Archiv der Kategorie: Kevin Rittberger

„Antifa ist Angriff“

Kevin Rittberger: Schwarzer Block, Maxim Gorki Theater, Berlin (Regie: Sebastian Nübling)

Von Sascha Krieger

Die Bühne bleibt mehr. Nein, nicht ganz. Zwei-, vielleicht auch dreimal öffnen sich die Türen und drei, vier Darsteller*innen lassen kurze Abschnitte von Kevin Rittbergers Textgläche leibhaftig in den coronabedingt spärlich besetzten Zuschauerraum schwappen. Ansonsten bleibt den Zusehenden nur die kahle Wand, auf die das Gespielte und Gesprochene – so die Technik mitspielt, was sie in der besuchten Aufführung nicht durchgängig tut – projiziert wird. Und das passt auch, macht der Abend doch sichtbar, wovor wir, die wir uns für die aufgeklärte Mehrheitsgesellschaft halten, so gern die Augen verschließen, nämlich dass der Kampf gegen den Faschismus, gegen Hass, Ausgrenzung und Vernichtung nicht nur eine saubere, hehre, moralisch einwandfreie Angelegenheit ist, dass er dreckig sein kann, in den Augen von Autor Kevin Rittberger auch sein muss, dass Lichterketten und Schweigeminuten keine Machtergreifung verhindern werden. Um den „Schwarzen Block“ geht es, den Lieblingsfeind der Hufeisenwerfer, der Totalitaismusrelativierer, derer, die nicht müde werden darauf hinzuweisen, dass jeder Extremismus schlecht und gefährlich sei und die damit wissentlich den von Rechts, von dem wir gerade in Deutschland wissen sollte, wohin er führt, wenn man ihn lässt, verharmlosen.

Bild: Esra Rotthoff

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Agitprop mit Apfelrotkohl

Autorentheatertage 2014 – Kevin Rittberger: plebs coriolan, Schauspielhaus Wien (Regie: Kevin Rittberger)

Von Sascha Krieger

Die große Persönlichkeit, der Held, der Anführer, der Gestalter, der Einzelne, der Geschichte macht und von dem die Geschichte erzählt, er kommt nur am Anfang vor: in der Gestalt des zum Denkmal erstarrten Feldherren, mit dem der kleine Mann, der zu ihm aufschaut, Perspektive und Rolle tauscht. Die großen Männer haben ausgedient, die einst anonyme Menge übernimmt. Thiemo Strutzenberger erzählt von ihm, sprachmächtig und doch von sanfter Melancholie, von fast zärtlicher Trauer erfüllt. Er spielt den Notar, den Agenten des Überholten, des Vergangenen, der an dem, was davongespült werden soll, festhalten will und – das ist vielleicht die größte Ironie des Abends – als Einziger im Gedächtnis bleiben wird, als Einziger lebendig wirkt, der Vergangene, dem man am meisten Zukunft zutrauen würde. Ob Autor und Regisseur sich das so gedacht hat, lässt sich bezweifeln. Zwar ist es der Notar, der am Ende Recht behält, Rittbergers Sympathien gehören jedoch klar den anderen: den „Aushegern“, einer kollektivistischen Umverteilungsbewegung, die den Reichen nimmt und der Gemeinschaft zufügt, und auch ein wenig der Dame, einer Aristokratin, die sich gern enteignen lässt.

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