Archiv der Kategorie: Kay Wuschek

Die zertrümmerte Effi

Nach Theodor Fontane (Fassung von Kay Wuschek und Oliver Schmaering): Effi, Theater an der Parkaue, Berlin (Regie: Kay Wuschek)

Von Sascha Krieger

Effi also. Ja, genau die. Geborene Briest, verheiratete von Innstetten. Die mit der Affäre und dem Major und dem Duell. Man kennt das. Deutsch-Unterricht, Oberstufe. Kanon halt. Der Begriff war ja gerade mal wieder in aller Munde, nachdem Die Zeit eine Liste von Autoren und werken veröffentlichte, die „man“ gelesen haben sollte. Effi Briest war vermutlich drauf. Es hätte zumindest gepasst, schießlich umfasste der Kanon fast nur Männer. Die Frau in der zweiten Reihe, als Objekt, hübscher Hintergrund. Das kennt auch Effi zur Genüge. Die Naive, Unabhängige, die ihre Rolle nicht findet und nicht akzeptiert und dafür abgestraft wird. Für die es am Ende nur noch eine Funktion gibt: Opfer. Was anderes ist nicht vorgesehen. Keine heutige Figur, schließlich haben wir Jahrzehnte Emanzipation, Feminismus, Gleichstellung hinter uns. Was also anfangen mit dieser aus der Zeit Gefallenen? Die Antwort von Parkaue-Intendant Kay Wuschek heißt – wie immer bei ihm: Theater. Der Ort, wo mit fremden Rollen experimentiert wird, man versuchen kann, sich in selbige hineinzutasten, man Welten kreiert, die Illusion sind, Vorstellung und doch auf den Bühnenbrettern seltsam real werden.

Bild: Christian Brachwitz

Weiterlesen

Advertisements

Nicht alles Gold, was glänzt

Friedrich Schiller: Die Räuber, Theater an der Parkaue (Prater), Berlin (Regie: Kay Wuschek)

Von Sascha Krieger

Das Überraschendste an diesem Abend: es wird viel gelacht und das ist auch gewollt. Das klingt zunächst seltsam, schließlich sind Friedrich Schillers Die Räuber, das Duell zweier Brüder, das in erster Linie auch eine Auseinandersetzung zwischen Freiheit und Despotie ist, nicht als Komödie angelegt. Bei Kay Wuschek, Intendant des Theaters an der Parkaue, Deutschlands einzigem Staatstheater für Kinder- und Jugendtheater, schon. Bereits Bühnenbild und Kostüme von Dorothee Curio haben eine dezidiert satirische Note. Gold dominiert: im Mobiliar, dem Kühlschrank, der Kleidung, dem eisernen Vorhang, sogar eine güldene Toilettenschüssel gibt es. Ein goldener Käfig, dessen Oberflächenglanz brüchig ist. Das herrschaftliche Haus der Moors ähnelt von der Einrichtung jenseits der Farbe eher einer abgeranzten Single-Wohnung, wobei die blätternde Farbe des alten Prater-Saals ein Übriges tut. Hier ist nicht nur alles, sondern nichts Gold, was glänzt. Keine Herrlichkeit, sondern Ego-Spiele. Da ist der intrigante Manipulator Franz, sein nicht minder narzisstischer, aus Kränkung zum Rebellen mutierender Bruder Karl, und der von Dennis Pöpping als egomanischer Choleriker gegebene Vater Moor. Ich-AGs in mehrfacher Potenz.

Bild: Christian Brachwitz

Weiterlesen

Advertisements