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Auf dem Karussell

Karen Breece und Ensemble: Auf der Straße, Berliner Ensemble (Kleines Haus) (Regie: Karen Breece)

Von Sascha Krieger

„Auf dem Karussell fahren alle gleich schnell“ heißt es im Refrain eines nicht ganz zu unrecht vergessenen 70er-Jahre-Schlagers des kürzlich verstorbenen Jürgen Marcus. Dass das für das Karussell unserer Gegenwartsgesellschaft nicht gilt, ist auch nichts Neues. Einige bestimmen das Tempo, vielen fallen an den Seiten herunter. Kein neues Phänomen: Bettina Hoppe eröffnet Auf der Straße mit Zeilen des athenischen Staatsmannes und Lyrikers Solon, in denen er die auseinandergehende Schere zwischen Arm und reich und die daraus resultierende Erosion der Gesellschaft beklagt. Im Kleinen Haus des Berliner Ensembles verfolgt Dokumentarttheaterspezialistin Karen Breece nun Solons Bestandsaufnahme in die deutsche, genau genommen, die Berliner Gegenwart des Jahres 2018. Hier sitzen sie jetzt wieder drauf, die Heruntergefallenen, bestimmen sie selbst das Tempo, schieben sie das Karussell selbst an. Ein Karussell, das ihr eigenes ist, ihre Welt, vergessen, an den Rand gedrängt, ausgespuckt von der sichtbaren, die zu viele für die einzig reale halten. Diese (Bühne: Eva Veronica Born) ist voller Bänke, Parkbänke, Bierbänke, Sitzplatzschalenreihen. All die Orte zum kurzzeitigen Verweilen, die für andere ihr Leben sind. Ihr Schlafzimmer, wie René Wallner es nennen wird.

Bild: Julian Röder

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