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Die unsichtbare Wand

Joseph Roth: Hiob. Roman eines einfachen Mannes, Deutsches Theater, Berlin (Regie: Anne Lenk)

Von Sascha Krieger

Ja, ja, da werden sie wieder alle kommen, die Sachwalter dramatischer Literatur, die an deutschsprachigen Bühnen nur noch Romanadaptionen (und Schlimmeres: nach jeder Menge Filme gab es an der Schaubühne kürzlich gar eine dramatisierte Fernsehserie!) sehen und die Theater-Apokalypse längst eingeläutet haben. Auch das Deutsche Theater berauscht sich mal wieder an Prosa – für den Gastgeber der alljährlichen Autorentheatertage sicherlich nicht ohne Ironie, währe es denn exemplarisch. Doch dann schaut man auf die Liste der Premieren dieser Spielzeit und stellt verwundert fest: Da gab es ja nur zwei Prosaadaptionen, den jetzt zu besprechenden Abend eingeschlossen. Allerdings lässt sich Hiob nach dem Roman von Joseph Roth von Drama-Puristen gut als Argument gegen den vermeintlichen Roman-Wahn deutscher Bühnen heranziehen. Anne Lenks gut zweistündiger Abend demonstriert recht wirksam, wo die Probleme von auf die Bühne gebrachter Prosa liegen. Das liegt auch am Werk: Roths 1930 erschienene Geschichte des vom Schicksal geprüften nach Amerika auswandernden russischen Juden Mendel Singer ist ein reflektiver Roman, der von der gedanklichen und emotionalen, meist inneren Auseinandersetzung seiner Figuren, insbesondere Singers, mit Leben und Welt lebt. Da ist pures Nacherzählen reines Bühnengift. Doch leider ist genau das Lenks Ansatz.

Das Deutsche Theater Berlin (Bild: Sascha Krieger)

Das Deutsche Theater Berlin (Bild: Sascha Krieger)

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