Archiv der Kategorie: Joanna Praml

„Die Bretter, die den Wald bedeuten“

Junges DT – Nach Friedrich Schiller in einer Fassung von Joanna Praml und Dorle Trachternach: Die Räuber, Deutsches Theater (Kammerspiele), Berlin (Regie: Joanna Praml)

Von Sascha Krieger

Am Anfang steht das Erschrecken: Sind die echt? Sind die wirklich da? Sind wir nicht allein? 15 junge Spieler*innen haben gerade die Bühne betreten, die Bretter, die später den Wald bedeuten werden (das Wortspiel fällt tatsächlich), um die Proben zu Friedrich Schillers Die Räuber zu beginnen. Allein, eigenverantwortlich, ohne den Blick der Eltern, der Lehrer, der Gesellschaft. Und dann sitzen wir da, das Publikum, beobachten, zweifeln, werten. In Die Räuber geht es um vieles: Freiheit, Rebellion, Generationenkonflikte, Familiäres, die Emanzipation von Erwartungen und Druck der Eltern, der Gesellschaft. Themen, die nicht wirklich an Aktualität verloren haben, gerade für Menschen, die soeben in das zu starten scheinen, was ihnen die Älteren als Leben vormachen. Klar sollen sie ihren Weg finden, aber welche zur Verfügung stehen, nach welchen Regeln zu spielen ist und welche Rollen zur Auswahl stehen, entscheiden gefälligst wir die Gesellschaft. Und da sitzen wir jetzt, menschengewordener Druck, Be- und Abwertung, Einengung. Klar könnt ihr euer Ding machen – solange wir es uns erlauben.

Bild: Arno Declair

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„Das bringt doch nichts!“

Joanna Praml: Wenn du nicht mehr da bist. Rechercheprojekt mit drei Generationen, Theater an der Parkaue, Berlin (Regie: Joanna Praml)

Von Sascha Krieger

Man kann dem Club 4 des Berliner Theaters an der Parkaue wahrlich nicht vorwerfen, die jungen Theaterbesessenen würden sich mit Unwichtigem aufhalten, nein, die großen Themen sind es, die sie umtreiben. Zuletzt widmeten sie sich – sehr kreativ, verspielt und unterhaltsam – dem Thema Liebe: in ihrer gefeierten Arbeit Romeo und Julia, mit der sie es unter anderem auch zum Theatertreffen der Jugend schafften. Jetzt gelang ihnen der nächste Sprung: mitten hinein ins Repertoire des Theaters an der Parkaue. Und wieder ist es ein ganz großes Thema, das sie gemeinsam mit Regisseurin und Club-Leiterin Joanna Praml erarbeitet haben: Es geht um Abschiede im Allgemeinen und um den größten, einschneidendsten und unwiderruflichsten von allen, den Tod. Starker Tobak für die zehn Spieler an der Grenze zum Erwachsensein. Und doch ist es ein typischer Club-4-Abend geworden, wenn es denn so etwas gibt: Spielerisch, unterhaltsam und streckenweise hochkomisch nähern sie sich auf vielfältige Weise und mit unterschiedlichstem Blickwinkeln diesem so schwer erträglichen und nicht leichter fassbaren Thema, dem das spürbar gut tut. Dem Zuschauer ergeht es ähnlich.

"Komm, süßer Tod" (Foto: Christian Brachwitz)

„Komm, süßer Tod“ (Foto: Christian Brachwitz)

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