Archiv der Kategorie: James Joyce

The Smallest of Worlds

James Joyce (Adapted by Dermot Bolger): Ulysses, Abbey Theatre, Dublin (Director: Graham McLaren)

By Sascha Krieger

This summer, Dublin’s two major theatres are diving into the collective identity of Ireland’s capital city. While the Gate has a somewhat harmless stab at one of the most popular expressions of modern, post-Church-state Ireland with Roddy Doyle’s The Snapper, the Abbey, traditionally the space for discussions about and definition of Irish identity, takes on the book that put Dublin on the map, in literature and the mind of the world, and has influenced the way the city is looked at ever since: James Joyce’s Ulysees. Even so, its Dublin-ness might not be the key aspect of this mammoth of a novel: the way it has revolutionised story-telling, the way it presents the world through streams and puddles and rivers of consciousness, unconsciousness and fantasy, the way it represents a fragmented, non-objective perception of reality has radically changed this very perception and collective awareness of it. And literature, too, for that matter. A theatre adaptation naturally has to make choices, cannot do justice to the novel’s achievements in their entirety. But even with this caveat, Dermot Bolger’s adapation and Graham McLaren’s production leave much to be desired. Way too much, to be honest.

Image: Ros Kavanagh

Weiterlesen

Advertisements

Die Welt ersprechen

Nach James Joyce: Ulysses, Deutsches Theater, Berlin (Regie: Sebastian Hartmann)

Von Sascha Krieger

Natürlich kann man ihn nicht auf die Bühne bringen, den Ulysses des James Joyce. Einzelne Teile vielleicht, den Ohne-Punkt-und-Komma-Monolog der Molly Bloom vielleicht, der am Ende des Romans steht. Das ist auch verschiedentlich schon gemacht worden und gelegentlich gelungen. Aber das Monster in seiner Ganzheit? Diese irrsinnige Odyssee-Überschreibung anhand der Irrnisse zweier Männer, die 24 Stunden durch das Dublin der späten britischen Okkupationsphase – wir schreiben das Jahr 1904 – irrlichtern, in der die Sprache, ihre Rolle in der Weltwahrnehmung und ihre Macht der Welterschaffiung, der eigentliche Protagonist ist, sie ist nicht für die Bühne gemacht, wo Geschichten Fleisch werden, Figuren physische Präsenz erlangen, die Zeit noch linear ist. Die Möglichkeit alternativer Realitäten, der Blick hinter die Wirklichkeit, die der Roman eröffne, interessiere ist, erzählt Regisseur Sebastian Hartmann im Programmheft-Interview. Also stellt er zunächst Linda Pöppel auf die Bühne, eingerahmt von einer Art Tor (zur Hölle?), bestehend aus Wänden roter Neonröhren und erzählt distanziert von einem apokalyptischen und imaginierten Brand Dublins. Die Kraft der Sprache, Wirklichkeit zu erschaffen, paart er mit der Ausstellung genau dieser theatralen Mechanik. Wie so oft an diesem Abend. Das Ergebnis: Die Joycesche Sprachmacht fällt sich selbst in den Rücken, der Effekt stellt sich nicht in Frage, er verpufft.

Bild: Arno Declair

Weiterlesen

Unter dem Hundeblick

James Joyce: Exiles, Münchner Kammerspiele (Regie: Luk Perceval)

Von Sascha Krieger

Bevor James Joyce als Prosaautor die Literaturgeschichte auf den Kopf stellte und Genregrenzen ein für allemal neu definierte, wenn nicht gar niederriss, hatte er bereits einen sehr viel konventionelleren literarischen Karriereversuch hinter sich: Der Ibsen-Verehrer sah sich zunächst als Dramatiker in der Tradition des großen Norwegers. Mit wenig Erfolg: Sein Erstling Exiles blieb sein einziger Ausflug ins dramatische Fach, fand weder in England noch in Irland ein Theater, das die Uraufführung besorgen wollte und ist bis heute ein selten gesehener Gast auf den Spielplänen. Viel häufiger finden sich dort Bearbeitungen seiner Prosawerke, allen voran Ulysses. Wenn sich jetzt die Münchner Kammerspiele des Werkes erinnern, hat auch das Tradition, schließlich war es genau hier, dass das Stück 1919 seine Uraufführung feierte. Seine Wurzeln in der Ibsen-Nachfolge kann es nicht verleugnen: Im Mittelpunkt stehen vier Menschen, die einander in komplexen Beziehungsgeflechten mehr getrennt als verbunden sind: das Ehepaar Richard und Bertha, das nach neun Jahren im Ausland zurückgekehrt ist, Richards Jugendliebe Beatrice und Berthas Verehrer Robert. Obwohl – oder gerade weil? – Richard und Bertha eine offene, auf schonungsloser Ehrlichkeit basierende Ehe zu führen vorgeben, führt der Test dieser Prinzipien an den Rand einer Katastrophe. Dass diese nicht eintritt, ist vielleicht noch fataler als es der große Knall wäre.

Foto: Sascha Krieger

Foto: Sascha Krieger

Weiterlesen

Scheitern als Prinzip

Nach James Joyce: Ulysses, Ballhaus Ost, Berlin (Regie: Marat Burnashev)

Von Sascha Krieger

James Joyces Roman Ulysses gilt als Schlüsselwerk des 20. Jahrhunderts, ja, als Wendepunkt der Literaturgeschichte. Es markiert den Einbruch der Moderne mit der Erkenntnis, dass die lineare Welterfahrung und -beschreibung, an deren Behauptung die Literatur trotz einiger Auflösungsversuche noch weitgehend festhielt, nicht mehr der Wirklichkeit einer sich fragmentierenden Welt entsprach. Nach Ulysses war die Rückkehr zum Status Quo unmöglich geworden, seine kaleidoskopisch fragmentarisch assoziative Betrachtung der Welt, sein Fokus auf die Wahrnehmung derselben und den Prozess dieser Wahrnehmung stellten alles in Frage, was für Prosa zuvor zu gelten schien. Plötzlich wurde das menschliche Bewusstsein selbst zum Protagonisten, stand sein Umgang mit dem, was noch kurz vorher als objektiv erlebbare Wirklichkeit galt, im Fokus. Die „Handlung“ im klassische Sinne war dabei nicht einmal mehr sekundär. Es wird auf diesen etwa tausend Seiten nicht mehr beschrieben als ein ganz banaler Tag im Leben eines jungen Intellektuellen und eines älteren Anzeigenverkäufers im Dublin des Jahres 1904. Die Hauptrollen kommen ihnen nicht zu – die gehören dem Bewusstsein und der fragmentierten Erfahrung der modernen Welt sowie dieser nur scheinbar vertrauenswürdigen Wirklichkeitsvermittlerin, die wir gemeinhin Sprache nennen.

Patrycia Ziolkowska als Molly Bloom (Foto: Marat Burnashev)

Patrycia Ziolkowska als Molly Bloom (Foto: Marat Burnashev)

Weiterlesen

Advertisements