Archiv der Kategorie: Ingmar Bergman

Spieglein, Spieglein…

Ingmar Bergman: Persona, Deutsches Theater (Kammerspiele) / Malmö Stadsteater, Berlin (Regie: Anna Bergmann)

Von Sascha Krieger

Theater ist Spiel mit der Identität. Um zu funktionieren, muss letztere fluide, fragil, gebrochen werden, muss die Möglichkeit bestehen, Identitäten zu überblenden und die Unterscheidbarkeit von Lüge und Wahrheit, Ich und Rolle ins Wanken zu bringen. Das verbindet das Theater mit anderen Formen darstellender Kunst, etwa dem Film. Ingmar Bergmans 1965 erschienener Film Persona thematisiert dieses schwankende Fundament seiner Kunst und ist selbst eine ergebnisoffene Reflexion über sein Medium und dessen Beziehung zur Realität. In ihm begegnen sich die erfolgreiche Schauspielerin Elisabet Vogler, die nach einer Elektra-Vorstellung verstummt ist, und die Krankenschwester Alma, die sich um sie kümmert. Alma erzählt der Stummen ihr Leben, nutzt sie als Projektionsfläche, unwissend, dass es (auch) andersherum ist. Irgendwann verschmelzen die Identitäten, werden sie austauschbar, schmelzen ihre Grenzen.

Bild: Arno Declair

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Gespenster im Baucontainer

Nach Ingmar Bergman: Herbstsonate, Schauspiel Stuttgart / Deutsches Theater, Berlin (Regie: Jan Bosse)

Von Sascha Krieger

In Ingmar Bergmans Film Herbstsonate aus dem Jahr 1978 kommt eine erfolgreiche Konzertpianistin zu Besuch bei ihrer Tochter, die sie sieben Jahre nicht gesehen hat. Es dauert nicht lange, da beginnen die Vorwürfe, erhebt die Vergangenheit ihr nicht gerade schönes Haupt: Da ist die ständig abwesende Mutter, der resignierende Vater, die schwer kranke Schwester, der Tod des Enkels und Sohns. In den Augen der Tochter Eva ist Mutter Charlotte für all das verantwortlich und das macht sie ihr im Laufe eines langen Tages inklusive folgender Nacht auch mehr als deutlich. Herbstsonate ist ein Film über die Geister der Vergangenheit, die, wenn wir uns ihnen nicht rechtzeitig stellen, immer größer und bedrohlicher werden und drohen, uns nicht mehr loszulassen. Da ist es nahe liegend, Herbstsonate als Geisterspiel zu lesen, wie es Regisseur Jan Bosse tut. Moritz Müllers Bühne ist ein mehrstöckiges Labyrinth aus Baucontainern, die winzige Zimmerchen enthalten, alle mit der gleichen hässlichen Tapete ausgestattet, ununterscheidbar und unentrinnbar. Einen Ausweg aus dieser albtraumhaften Erinnerungslandschaft gibt es nicht, verlässt man einen Raum,landet man bald schon im nächsten, gleichen.

Foto: Bettina Stöß

Foto: Bettina Stöß

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