Archiv der Kategorie: Homer

Auf den Spielplatz!

Theatertreffen 2018 – Die Odyssee. Eine Irrfahrt nach Homer, Thalia Theater, Hamburg (Regie: Antú Romero Nunes)

Von Sascha Krieger

Ein Sarg, zwei Männer, zwei Tote. Der eine hängt einen Kranz auf, der andere nimmt ihn wieder ab, ersetzt ihn durch ein Porträt, Kirk Douglas ist zu erkennen, er hat einmal Odysseus gespielt. Jetzt betrauern ihn die Söhne, der eheliche Telemachos und der Zauberinnen-Sohn Telegonos, die bislang nichts voneinander wussten. Der eine erinnert den Vater als gewalttätigen Krieger, der andere als neugierigen Wanderer. Welches Bild stimmt, tut es überhaupt eines, kann es das? Die Geschichten werden sie durchspielen, mit dem Furor kleiner Kinder: die Überlistung des Polyphem, der Sieg in Troja, all die Heldegeschichten, die in ihnen stecken, sie geformt haben, den Vater, den sie nicht kennen, ersetzen mussten, das eigene Ich vorprägten. Spielmaterial sind sie geworden, blutige Märchen, ihr Held ein Mythos? Eine Geschichte selbst. Aber welche und wessen? Verschlagen, verbissen, erfindungsreich kämpfen die beiden Sandkastenhelden um die Deutungshoheit, legen einander rein, führen den Anderen vor, ein albern infantiler Slapstick der Selbstbehauptung.

Bild: Armin Smailovic

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Zurück ins Schneckenhaus

Zur Auswahl des Theatertreffens 2018

Von Sascha Krieger

Was war das für ein Theatertreffen-Jahrgang 2017. Starke, richtungweisende Regiekonzepte, radikale Ästhetiken, Rahmen sprengende Erzählweisen, theatrale Grenzgänge und -erfahrungen. Eine Leistungsschau des deutschsprachigen Theaters ohne Scheuklappen, die nach vorne wies und in die Welt hinaus. Internationale Arbeiten waren dabei, große wie kleine Häuser, reihenweise Neulinge, ein atemberaubendes Spektrum theatraler Ausdrucksformen. Die Latte lag hoch für die diesjährige Jury. Würde sie dort anknüpfen, wohin sie das Theatertreffen, das in der Vergangenheit viel zu oft Nabelschau der großen Bühnen und Namen war, Hort des Staats- und Stadttheaters, Besitzstandswahrer der Subventionskönige? Nicht selten ist es im Leben so, dass auf zwei Schritte nach vorn einer zurück folgt, doch so brutal, wie die diesjährige Jury das Theatertreffen-Vehikel an die Wand fuhr, stockt dem eigentlich geneigten Beobachter der Atem. Wo ist der Geist des Aufbruchs, die Neugier, die Experimentierfreude, welche die letztjährige Auswahl auszeichnete?

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Die Jury des Theatertreffens 2018 (Bild: Iko Freese / drama-berlin.de)

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