Archiv der Kategorie: Herbert Achternbusch

Ein Leben

F.I.N.D. 2013: Herbert Achternbusch: Susn, Münchner Kammerspiele (Regie: Thomas Ostermeier)

Von Sascha Krieger

Susn, Thomas Ostermeiers hochkonzentrierte Neuinszenierung von Herbert Achternbuschs Verfallsdrama aus dem Jahr 1980, ist vor allem der Abend einer Frau: Brigitte Hobmeier, diese Ausnahmedarstellerin, die Achternbuschs Titelfigur durch all ihre Lebensalter hinweg spielt. Wie sie da steht, am Bühnenrand, spärlich bekleidet, die Hände ums Mikrofon gepresst, als wolle sie es erwürgen, jede Faser ihres Körpers in höchster Anspannung, die rebellische Studentin, die ihre fordernden, aggressiven Fragen an die Welt in dieselbe hinausschleudert, das ist ein Ereignis. Das Stück ist eine Abfolge von vier Monologen, die zum Teil Dialoge mit weitgehend stummem Gegenüber sind, und zwischen denen jeweils zehn Jahre liegen. Zu Beginn ist Susn 17, am Ende 47. Dazwischen liegen Jahre, Jahrzehnte des Aufbegehrens, des Lebenwollens, des Nicht-Akzeptierens überkommener Rollen, vorgeschriebener Verhaltensweisen. Es ist die Geschichte einer Frau, die leben will, die Grenzen hinterfragt und an dieser Unerbittlichkeit letztlich scheitert. Oder ist es nicht eher die stumme, erstarrte, leblose Gesellschaft um die herum, die scheitert? Jeder Blick Hobmeiers, jede Geste, jedes Wort stellt solche Fragen und zwingt den Zuschauer, eine Antwort zu suchen.

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