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„Ich komme ja eigentlich vom Tanz“

Georges Feydeau: Champignol wider Willen, Schaubühne am Lehniner Platz, Berlin (Regie: Herbert Fritsch)

Von Sascha Krieger

„Ich komme ja eigentlich vom Tanz“: Bastian Reiber spricht diesen Satz, als alles schon verloren ist. Sein Saint-Florimond, der sich als der Maler Champignol ausgibt, ist gerade grandios am versuch, ein Porträt seines Vorgesetzten zu malen gescheitert, und sucht im Vokabular der Kunst-Apologetik krampfhaft nach Ausreden. Die er nicht bräuchte, denn das, wovon man will, dass es wahr ist, sieht man auch gern als wahr an, egal, welche Sprache die offensichtlichen Tatsachen sprechen. Das ist, es lässt sich Tag für Tag in den Filterblasen sozialer Netzwerke wie in den Abendnachrichten besichtigen, nicht nur in mehr als 100 Jahre alten französischen Verwechslungskomödien der Fall. In Georges Feydeaus Champignol wider Willen zählt die Wahrheit wenig:  Saint-Florimond hatte eine Fast-Affäre mit Madame Champignol. Als sie sich endgültig adieu sagen wollen, platzt ein Besucher nach dem nächsten rein, vor denen die Fast-Ehebrecherin den Nicht-Geliebten als Gatten ausgibt. Wie ein Schneeball wächst die Lüge zur Lawine heran, der Beinahe-Liebhaber wird als Champignol zu einer Reservisten-Übung eingezogen, bei der bald auch der echte Maler landet und auch später bei einem für ihn gegebenen Ball gelingt es Saint-Florimond nicht, seine Identität zu belegen. Niemand sieht, was er nicht sehen will. Ja, kennen wir.

Bild: Thomas Aurin

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