Archiv der Kategorie: Erich Kästner

Theater im Zwielicht

Nach Erich Kästner: Fabian. Die Geschichte eines Moralisten, Deutsches Theater (Box), Berlin (Regie: Alexander Riemenschneider)

Von Sascha Krieger

Eine Mahnung sollte er sein, ein Appell an die Zeitgenossen, die auf den Untergang zutrieben. So verstand Erick Kästner seinen Roman Fabian, erschienen mitten in der Weltwirtschaftskrise und den Todeszuckungen der Weimarer Republik 1931. Zwei Jahre später brannte dieses wie andere seiner Bücher auf dem heutigen Bebelplatz. Einer Gesellschaft, die rat- und rastlos vor sich hintaumelt, die zunehmend traumatischen Nachrichten kaum noch wahrnimmt und antidemokratischen Bestrebungen wenig entgegenzusetzen hat: Wer dystopischer veranlagt ist, könnte die eine oder andere Parallele zum Hier und Heute finden. Parallelen, die Regisseur Alexander Riemenschneider im Programmheftinterview andeutet, aber auch nicht zu hoch anhängen will. Die Hoffnung, aus der Geschichte gelernt zu haben, hat der Spezialist für dichte und assoziationstarke Abende auf kleinen Bühnen nicht verloren. Riemenschneider aktualisiert denn auch nicht, sondern abstrahiert. Die Geschichte des promovierten Germanisten Jakob Fabian, der sich treiben lässt und vollends den Halt verliert, wenn er kurz aufeinander den Job als Werbetexter und die frische Liebeshoffnung verliert, inszeniert der 37-Jährige als Mischung aus Comic-Ästhetik und grellem Varieté.

Bild: Arno Declair

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Laue Nacht

Erich Kästner: Fabian – Der Gang vor die Hunde, Schaubühne am Lehniner Platz (Studio), Berlin (Regie: Peter Kleinert)

Von Sascha Krieger

Klar, wir befinden uns im Jahr 1931. Die Weimarer Republik ist am Ende, die Frage ist nicht mehr, ob sie von einer Dikatur abgelöst wird, sondern nur noch wann und von welcher. Aber eigentlich sind wir auch und in erster Linie im Hier und Jetzt. Zu Beginn hält, eingefangen per handy-Kamera, ein Bus vor der Schaubühne und spült eine Gruppe junger Leute aus der (wengleich noch jungen) Berliner Nacht vor ein, wie mehrfach angemerkt wird, doch ein wenig saturierteres Publikum. Natürlich, so sagt uns die launige Eröffnungsansprache, die ein wenig überflüssigerweise die theatrale Situation verankert, wird hier 1931 gespielt und ist doch 2015 gemeint. Immer wieder werden die Darsteller, allesamt Studierende der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“, vermeintlich aus der Rolle fallen, über Flüchtlingspolitik, Feminismus und die prekäre Situation junger Menschen am Beispiel des Schauspielberufs sprechen, mal ironisch, dann mit kaum unterdrückter Wut, doch stets angenehm im Ungefähren bleibend, so dass an diesem unterhaltsamen Abend nichts wirklich weh tut.

Foto: Gianmarco Bresadola

Foto: Gianmarco Bresadola

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