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Die perfekte Welle

Ödön von Horváth: Geschichten aus dem Wiener Wald, Berliner Ensemble (Regie: Enrico Lübbe)

Von Sascha Krieger

Unbewegt und unbeweglich liegt sie da, wie eine riesige Welle der „schönen blauen Donau“, an deren Ufern Ödön von Horváths wohl bekanntestes Stück spielt. Erstarrung verkörpert Hugo Gretlers Bühnenbild, eine Erstarrung, die Schritt für Schritt und Figur für Figur von der dem Untergang schon so nahen Gesellschaft, die Horváth beschreibt, Besitz ergreift. Zugleich bildet sie ein auf und Ab, die Höhen und Tiefen, welche die Mariannes und Alfreds und Valeries und Oskars durchlaufen, bevor sie ganz am Ende am Bühnenrand stehen und merken, dass sie die Anstiege umsonst bewältigt haben, weil sie immer schon ganz unten waren. Das erinnert natürlich an Michael Thalheimer und ist doch ein wenig zu plakativ, zu eindeutig. Leider gilt das für die gesamte Inszenierung Enrico Lübbes, die fast zeitgleich mit seiner Ernennung zum künftigen Leipziger Intendanten Premiere hatte und auch deshalb besonders viel Aufmerksamkeit erfuhr. Lübbe hat Horváths Stück, das mit seiner Geschichte und Personnage – vom feschen Mädel über den Halodri bis zum Rittmeister – gleichzeitig Wiener Volksstück und dessen Aufhebung ist, jeglichen doppelten Boden entzogen. Die Erstarrung, die Horváth beschreibt – sie prägt den gesamten, bleischweren Abend.

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