Archiv der Kategorie: Dresdner Musikfestspiele

Ein bisschen Spaß darf sein

Dresdner Musikfestspiele 2018 – Bill Murray, Jan Vogler & Freunde zu Gast in der Berliner Philharmonie

Von Sascha Krieger

Manche Ideen gebiert der Zufall. Dieser Abend gehört zu ihnen: Vor einigen Jahren begegneten sich zwei Reisende auf einem Flug nach New York, kamen ins Gespräch, verstanden sich gut, eine Freundschaft entstand. Eine von ihnen war der gefeierte Comedien und Comedy-Star Bill Murray, der andere der ebenso brillante wie umtriebige Cellist Jan Vogler. Irgendwann begann man darüber zu sprechen, „mal etwas zusammen zu machen“, und voilà: „New Worlds“ war geboren, ein gemeinsamer Abend mit Literatur und Musik. 2017 hatte er Premiere, zunächst in Wolfsburg, was damit zusammenhängen mag, dass ein großer Autokonzern das Projekt zu einem nicht unwesentlichen Teil mitfinanzierte, dann in Dresden, wo Vogler die dortigen renommierten Musikfestspiele leitet. Diese veranstalten als kleine Werbemaßnahme seit einigen Jahren je ein Konzert in Berlin und so kam es, dass Murray Vogler und Freunde – die Violinistin und Voglers Ehefrau Mira Wang und die venezolanische Pianistin Vanessa Perez – nach einer kleinen Welttournee endlich auch in der Philharmonie Station machten. Wo das anwesende Publikum sie zwar sehnsüchtig erwartete, die Stadt als ganze jedoch weniger – der große Saal war weit entfernt davon, ausverkauft zu sein.

Bill Murray, Jan Vogler und Freunde bei der Dresdner Premiere ihres Programms im Rahmen der Musikfestspiele 2017 (Bild: Oliver Killig)

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Kosmische Klänge

Dresdner Musikfestspiele 2016 – Semyon Bychkov dirigiert das Koninklijk Concertgebouworkest Amsterdam

Von Sascha Krieger

Wäre er nicht so bescheiden, müsste man Mariss Jansons in Amsterdam irgendwann ein Denkmal aufstellen. Am besten direkt vor das Concertgebouw, in dem er das dort ansässisge Orchester während der 12 Jahre als Chefdirigent zum in den Augen nicht weniger Experten besten der welt geformt hat. In Sachen Klangkultur und interpretatorischer Genauigkeit reichen bestenfalls noch die Berliner Philharmoniker an den „königlichen“ Klangkörper heran. Nun ist Jansons weg und so mancher in Amsterdam fürchtet, dass ich das Erreichte nicht halten lässt. Noch zumindest besteht keinerlei Grund zur Besorgnis, zieht man das Gastspiel im Rahmen der Dresdner Musikfestspiele  um heran. Die unvergleichliche Mischung von geschliffenem Klang, höchster Klangdichte und größter Transparenz, so etwas wie die Quadratur des Kreises in der Welt orchestraler Musik, ist unüberhörbar nach wie vor präsent. Wenn man dann noch einen Dirigenten wie Semyon Bychkov am Pult hat, der wie kein zweiter in seinen Interpretationen Leidenschaft und Analyse zu paaren vermag, darf sich der Zuhörer auf Außergewöhnliches freuen. Das Publikum in der Semperoper zumindest wurde nicht enttäuscht.

Semyon Bychkov (Bild: Sheila Rock)

Semyon Bychkov (Bild: Sheila Rock)

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Der harte Weg in die Stille

Dresdner Musikfestspiele 2016 – Herbert Blomstedt dirigiert die Sächsische Staatskapelle Dresden

Von Sascha Krieger

Musikfestspiele boomen. Landauf landab wird gefestivalt, dass auch der aufmerksamste Beobachter schnell den Überblick verliert. Klassik- und Kulturfestivals als attraktive Marken für Künstler und als Touristenmagnet stehen auf der Agenda vieler Stadt- und Regionalmarketer ganz weit oben. Die Crux dabei ist, dass dies den Wettbewerb um attraktive Künstler und damit auch zahlungswillige Besucher nicht erleichtert, aus der Masse herauszustechen, fällt zunehmend schwer. Die Dresdner Musikfestspiele haben dieses Problem nicht mehr. Einer Initiative unter anderem des renommierten Cellisten Jan Vogler entspringend –Dresdner Musiker verstehen sich traditionell stark als Kultur- und Stadtförderer, man denke an Prof. Ludwig Güttler – hat sich das Festival einen festen Platz im Musikkalender erarbeitet und die „Lücke“ zwischen den Osterfestspielen und jenen im Sommer für sich reserviert. Auch in diesem Jahr ist die Liste der gastierenden Künstler eindrucksvoll: Mit den Symphonieorchestern aus Boston und Pittsburgh sind zwei führende US-Orchester da, überhaupt haben sich die Dresdner einen festen Platz in den Tourneekalendern amerikanischer Klangkörper gesichert. Mit dem Amsterdamer Concertgebouw Orchestra ist das laut einer Kritikerumfrage des Gramophone Magazine im Jahr 2008 weltbeste Orchester zu Gast und selbst aus Singapur gibt es Besuch. Da stört es nicht weiter, dass das Motto mit „Zeit“ in diesem Jahr ein wenig beliebiger ausfällt als sonst. Mitbringen sollte man Zeit aber in jedem Fall, denn zu erleben und vor allem zu hören gibt es viel.

Herbert Blomstedt (Bild: Martin Lengemann)

Herbert Blomstedt (Bild: Martin Lengemann)

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Die im Schatten wandeln

Dresdner Musikfestspiele 2015 – Das Philadelphia Orchestra unter Leitung von Yannick Nézet-Séguin gastiert mit Lisa Batiashvili in Berlin

Von Sascha Krieger

Leicht ist er nicht, der Wettbewerb der Musikfestspiele. Von den Osterfestspielen in Baden-Baden und Salzburg bis zu den Proms oder dem Musikfest Berlin im Sommer und Spätsommer buhlen sie um Renommee, Künstler, Publikum und natürlich Sponsoren. Marketing ist daher kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit. Das weiß auch Jan Vogler, Leiter der Dresdner Musikfestspiele, und hatte eine Idee: Warum tragen wir nicht das Festival dorthin, wo das kulturelle Herz des Landes schlägt, wo die Aufmerksamkeit ungleich größer ist als in der sächsischen Heimat? Vor zwei Jahren nahm Vogler also das bei ihm gastierende New York Philharmonic Orchestra mit zu einem Gastspiel im Rahmen der Festspiele im Berliner Konzerthaus. Das funktionierte so gut, dass es in diesem Jahr wiederholt wird. Star des Abends ist diesmal ein anderes US-Spitzenorchester, das Philadelphia Orchestra und der Leitung seines Chefdirigenten Yannick Nézet-Séguin, das gerade erst triumphal in Dresden empfangen worden war. Eröffnet wird das Programm von Nico Muhlys Auftragsarbeit Mixed Messages, die auch schon in Dresden zu hören war. Hier klingt sie noch ein wenig transparenter, kommt die dialogische Struktur noch stärker zum Tragen. Mehr Substanz verleiht das dem engagiert vorgetragenen und doch eher leichtgewichtigen Werk nicht.

Das Philadelphia Orchestra (Foto: Jessica Griffin)

Das Philadelphia Orchestra (Foto: Jessica Griffin)

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Im Namen der Hoffnung

Dresdner Musikfestspiele 2015 – Das Philadelphia Orchestra unter Leitung von Yannick Nézet-Séguin gastiert mit Jan Lisiecki in Dresden

Von Sascha Krieger

Als das Philadelphia Orchestra zum letzten Mal in Dresden zu Gast war, stand der Franzose Charles Dutoit am Pult. Mit schwerem, oberflächenglattem Spiel, war im Dresdner Kulturpalast zu erleben, warum Experten dem Orchester bescheinigten, drauf und dran zu sein, im Konzert der „Big Five“, der fünf traditionell wichtigsten US-amerikanischen Orchester, abgehängt zu werden. Zu wenig neugierig, zu rückwärtsgewandt präsentierte sich der traditionsreiche Klangkörper unter Dutoits Leitung.Seit drei Jahren ist alles anders: Nun steht der Kanadier Yannick Nézet-Séguin dem Klangkörper vor und er hat einiges bewegt in der „City of Brotherly Love“. Eine neue Offenheit ist eingezogen, wenn er jetzt in der Semperoper gastiert, eine wache Neugier auf musikalische Wieder- und Neuentdeckungen. Wenn Nézet-Séguin dirigiert, wirkt er zuweilen wie ein kleiner Junge, der ein neues Spielzeug gefunden hat und nun versucht herauszufinden, was sich alles damit anfangen lässt. Dem 40-Jährigen ist seine Begeisterungsfähigkeit, seine Leidenschaft für Musik in jeder Sekunde anzumerken und dem Philadelphia Orchestra tut das äußerst gut.

Yannick Nézet-Séguin, seit 2012 Chefdirigent des Philadelphia Orchestra (Foto: Philadelphia Orchestra)

Yannick Nézet-Séguin, seit 2012 Chefdirigent des Philadelphia Orchestra (Foto: Philadelphia Orchestra)

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Ringen um die Musik

Dresdner Musikfestspiele 2014: Sir John Eliot Gardiner und das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks gastieren in der Frauenkirche

Von Sascha Krieger

20 Jahre ist es jetzt her, da begann eines der spektakulärsten und unwahrscheinlichsten Bauprojekte der jüngeren deutschen Geschichte: der Wiederaufbau der im 2. Weltkrieg zerstörten Dresdner Frauenkirche. 2006 wurde das wieder errichtete barocke Bauwerk eröffnet und ist seitdem Wahrzeichen, Gotteshaus, Konzertspielstätte und identitätsstiftender Mittelpunkt der sächsischen Hauptstadt. Natürlich darf die Frauenkirche nicht fehlen, wenn Cellist Jan Vogler alljährlich im Mai international Spitzenmusiker zu den Dresdner Musikfestspielen versammelt, einem der wichtigsten deutschsprachigen Musikfestivals.Kein Geringerer als Sir John Eliot Gardiner, Musikrevolutionär und Protagonist der historisch informierten Aufführungspraxis, steht am Pult, wenn das renommierte Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks Werke zur Aufführung bringt, deren konfessionelle Grundierung diesem Ort angemessen sind. Ein Ort, der für Symphoniekonzerte vor allem akustische Herausforderungen bietet. Und so wird es ein Abend, der vor allem eines zeigt: wie sehr große Musiker – und das gilt für Dirigent, Orchester und den exzellenten Chor des BR – in der Lage sind, ihr Spiel dem Ort, an dem die Aufführung stattfindet. anzupassen, mehr noch, wie sehr sie diesen Ort einzubeziehen vermögen.

Sir John Eliot Gardiner (Foto: Sheila Rock / Decca)

Sir John Eliot Gardiner (Foto: Sheila Rock / Decca)

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Auf dem Schlachtfeld des Lebens

Das New York Philharmonic Orchestra zu Gast in Berlin mit Werken von Mozart und Tschaikowsky

Von Sascha Krieger

Festspiele haben im deutschsprachigen Raum nicht nur Tradition – es gibt derer auch eine große und ständig wachsende Zahl. Neben den „Platzhirschen“ wie Salzburg, Baden-Baden, Luzern oder dem alljährlichen Wagner-Schaulaufen in Bayreuth konkurrieren mittlerweile zahlreiche meist hochkarätig besetzte und mehr oder minder spezialisierte Musikfestivals um die Gunst der Zuhörer. Die Dresdner Musikfestspiele gehören sicher zu den renommiertesten – und doch kann auch ihnen ein bisschen Werbung nicht schaden. Und so ist es nur folgerichtig, dass sie in diesem Jahr mit ihrem größten Pfund – der Anwesenheit des weltberühmten New York Philharmonic Orchestra, seines Zeichen das älteste Symphonieorchester der USA – ordentlich wuchern wollen. Wie besser, als den Klangkörper ein paar hundert Kilometer gen Norden zu schicken, zu einem Gastspiel im Berliner Konzerthaus, natürlich unter der Ägide der Dresdner Festspiele? Und so schmiegt sich ein roter Teppich an die berühmten Stufen, weht ein Hauch Semperoper über den Gendarmenmarkt, als der Music Director des Orchesters Alan Gilbert – übrigens der erste gebürtige New Yorker in der Geschichte des Orchesters – den Taktstock erhebt.

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