Archiv der Kategorie: Brett Bailey

Nebelschwaden

Foreign Affairs 2012: medEia von Brett Bailey

Von Sascha Krieger

Dem südafrikanischen Theatermacher Brett Bailey gebührt sicherlich das „Verdienst“, für den kontroversesten Beitrag der ersten Ausgabe des Festivals „Foreign Affairs“ gesorgt zu haben. Mit seiner theatralen Installation Exhibit B hat er die Abgründe der Kolonialgeschichte Afrikas und ihr Wirken bis in die Gegenwart hinein auf ebenso direkte wie verstörende Weise und unter Nutzung kolonialistischer Darstellungsformen thematisiert und damit eine Debatte losgetreten darüber, wie diesen Themen künstlerisch begegnet werden darf und wer berechtigt ist, eine solche Auseinandersetzung zu betreiben. Baileys zweite in Berlin vorgestellte Arbeit medEia wird kaum zu solchen Debatten Anlass geben. Bailey inszeniert einen Text des Niederländers Oscar van Woensel, der den antiken Medea-Stoff umgedeutet hat zu einer Geschichte der Flucht und Verstoßung einer afrikanischen Frau im heutigen Europa. Jason steht hier für die die ehemaligen Kolonien bis heute ausbeutenden Weißen, Korinth für das sich abschottende Europa, Medea ist der hier nicht willkommene und ausgestoßen bleibende Flüchtling.
Brett Bailey medEia

Foto: Peter Hugo / Brett Bailey

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Der umgekehrte Blick

Foreign Affairs 2012: Exhibit B von Brett Bailey

Von Sascha Krieger

Es ist der Blick, um den es dem südafrikanischen Theatermacher Brett Bailey in Exhibit B, seiner „Ausstellung mit lebenden Exponaten“, geht. Der Blick, mit dem wir, die „Ausstellungsbesucher“ den vorgeführten „Objekten“ begegnen, und der Blick, der auf uns zurückfällt. Das Erbe des Kolonialismus gehört zu den Schwerpunkten der ersten Ausgabe des neuen Festivals „Foreign Affairs“ und er wird nirgends eindringlicher und ungefilterter thematisiert wie in Baileys Installation im Kleinen Wasserspeicher im Prenzlauer Berg (dessen Gewölbe im Übrigen eine echte Entdeckung als Veranstaltungsraum sind!). Bailey bezieht sich auf die Ausstellungen, in denen während der Kolonialzeit vor allem Afrikaner wie in Zoos vorgeführt wurden und die bis in die erste Hälfte des vergangenen Jahrhunderts hinein in ganz Europa anzutreffen waren. In ihnen wurden Menschen wie Tiere begafft und letztlich auf ein kaum höheres Niveau gestellt, dienten die Schauen doch auch den pseudowissenschaftlichen Praktiken der Rassenkundler und dem „Beweis“, dass Nichteuropäer auf einer niedrigeren Evolutionsstufe stünden. Von dieser Art Verdinglichung des Menschen bis zur nationalsozialistischen Rassenideologie war es nur noch ein kleiner Schritt. Tatsächlich hat sie genau hier ihre Wurzeln.

Brett Bailey Exhibit B

Die „Exponate“ blicken zurück (Foto: Anke Schüttler)

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