Archiv der Kategorie: Anta Helena Recke

Alles gleich – alles anders

Theatertreffen 2018 – Mittelreich. Musiktheater nach dem Roman von Josef Bierbichler nach der Inszenierung von Anna-Sophie Mahler, Münchner Kammerspiele (Regie: Anta Helena Recke)

Von Sascha Krieger

Dass die politische Partei namens AfD, die als „rechtspopulistisch“ zu bezeichnen ihre eigene rechtsextreme Realität längst verbietet, kein Fan staatlich subventionierter Kunst und Kultur in diesem Land ist, stellt keine Neuigkeit dar. Und doch sollte dies jene überraschen, die mal einen genaueren Blick auf die Bühnen der deutschen Stadt- und Landestheater werfen. Viel ist da von Diversität die Rede, von einer heterogenen Gesellschaft, die Unterschiede als Bereicherung (auch so ein Hasswort der Rechten) begreift. Und doch trifft der Zuschauerblick meist nur Menschen, die gar nicht so anders auszusehen scheinen, als man selbst. „Multi-Kulti“ hin, Vielfalt her: Die Bühnen dieses Landes sind in ihrer großen Mehrheit noch immer genauso in weißer Hand wie die Zuschauerräume. Schauspieler of Colour dürfen zuweilen mal Geflüchtete spielen oder „opfer“ aller Art, womöglich ist mal ein Othello drin. „Farbenblindes“ Casting funktioniert als Einbahnstraße: Ein weißer Othello? Kein Problem! Ein schwarzer bayerischer Bergbauer? Um Gottes Willen! Der weiße Durchschnittszuschauer ist eben nicht „farbenblind“, wenn es um People of Colour geht. Sieht er einen Schwarzen auf der Bühnen, stellen sich sofort Assoziationen und Zuschreibungen ein, die von der äußerlichsten aller menschlichen „Eigenschaften“ ausgehen: der Hautfarbe.

Bild: Judith Buss

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Zurück ins Schneckenhaus

Zur Auswahl des Theatertreffens 2018

Von Sascha Krieger

Was war das für ein Theatertreffen-Jahrgang 2017. Starke, richtungweisende Regiekonzepte, radikale Ästhetiken, Rahmen sprengende Erzählweisen, theatrale Grenzgänge und -erfahrungen. Eine Leistungsschau des deutschsprachigen Theaters ohne Scheuklappen, die nach vorne wies und in die Welt hinaus. Internationale Arbeiten waren dabei, große wie kleine Häuser, reihenweise Neulinge, ein atemberaubendes Spektrum theatraler Ausdrucksformen. Die Latte lag hoch für die diesjährige Jury. Würde sie dort anknüpfen, wohin sie das Theatertreffen, das in der Vergangenheit viel zu oft Nabelschau der großen Bühnen und Namen war, Hort des Staats- und Stadttheaters, Besitzstandswahrer der Subventionskönige? Nicht selten ist es im Leben so, dass auf zwei Schritte nach vorn einer zurück folgt, doch so brutal, wie die diesjährige Jury das Theatertreffen-Vehikel an die Wand fuhr, stockt dem eigentlich geneigten Beobachter der Atem. Wo ist der Geist des Aufbruchs, die Neugier, die Experimentierfreude, welche die letztjährige Auswahl auszeichnete?

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Die Jury des Theatertreffens 2018 (Bild: Iko Freese / drama-berlin.de)

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