Archiv der Kategorie: Anna-Sophie Mahler

Zurück ins Schneckenhaus

Zur Auswahl des Theatertreffens 2018

Von Sascha Krieger

Was war das für ein Theatertreffen-Jahrgang 2017. Starke, richtungweisende Regiekonzepte, radikale Ästhetiken, Rahmen sprengende Erzählweisen, theatrale Grenzgänge und -erfahrungen. Eine Leistungsschau des deutschsprachigen Theaters ohne Scheuklappen, die nach vorne wies und in die Welt hinaus. Internationale Arbeiten waren dabei, große wie kleine Häuser, reihenweise Neulinge, ein atemberaubendes Spektrum theatraler Ausdrucksformen. Die Latte lag hoch für die diesjährige Jury. Würde sie dort anknüpfen, wohin sie das Theatertreffen, das in der Vergangenheit viel zu oft Nabelschau der großen Bühnen und Namen war, Hort des Staats- und Stadttheaters, Besitzstandswahrer der Subventionskönige? Nicht selten ist es im Leben so, dass auf zwei Schritte nach vorn einer zurück folgt, doch so brutal, wie die diesjährige Jury das Theatertreffen-Vehikel an die Wand fuhr, stockt dem eigentlich geneigten Beobachter der Atem. Wo ist der Geist des Aufbruchs, die Neugier, die Experimentierfreude, welche die letztjährige Auswahl auszeichnete?

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Die Jury des Theatertreffens 2018 (Bild: Iko Freese / drama-berlin.de)

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Der Klang der Erinnerung

Theatertreffen 2016 – Mittelreich. Musiktheater nach dem Roman von Josef Bierbichler, Münchner Kammerspiele (Regie: Anna-Sophie Mahler)

Von Sascha Krieger

Es ist das Theatertreffen der Untoten. In Tyrannis werden zwei Figuren ermordet und stehen kurz darauf diabolisch grinsend vor dem Publikum. In John Gabriel Borkman reckt die gerade verschiedene Titelfigur den Arm zum Victory-Zeichen empor. Mittelreich beginnt mit einem Begräbnis, an dessen Ende der zu Grabe Getragene wieder aufsteht und singt. Da braucht es schon wie in Schiff der Träume eine Einäscherung, um sicher zu gehen, dass die Toten nicht wiederkommen. Die Vergangenheit lebt, ihre Schrecken, ihre Schuld. Auch in Josef Bierbichlers 2011 erschienenem Roman, der sich am Schicksal einer bayerischen Wirts- und Bauernfamilie durch das Dickicht des 20. Jahrhundert schlägt. In ihrer Bühnenfassung konzentriert sich Anna-Sophie Mahler ganz auf die Familie und vor allem auf zwei Generationen: den „jungen Seewirt“, der, nachdem der ältere Bruder aufgrund einer Kriegsverletzung ausfällt, die Sängerkarriere aufgibt und den Hof übernimmt, und seinen Sohl, der mit der Familie fremdelt und im Internat missbraucht wird. Verdrängung (auch der Vater schleppt aus seinem, dem zweiten Weltrkrieg, eine große Schukd mit sich herum) und Schuld sind die Kernthemen dieser Geschichte und natürlich sind sie auch jene des ganzen, „deutschen“ 20. Jahrhunderts.

Bild: Judith Buss

Bild: Judith Buss

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Neue Stimmen

Das Theatertreffen 2016 feiert die Vielfalt

Von Sascha Krieger

Es ist eines der beliebtesten Rituale im deutschsprachigen Theaterbetrieb: Kaum sind die Nominierungen für das Theatertreffen bekanntgegeben, lässt sich genüsslich schimpfen und kritisieren. Natürlich ist auch 2016 keine Ausnahme: Favorisierte Inszenierungen und hochgehandelte Namen fehlen, die freie Szene ebenso und auch die „neuen Länder“ glänzen allein durch Abwesenheit. Das Stadt- und Staatstheater feiert fröhliche Urständ und sitzt so fest im Sattel wie lange nicht mehr. Und die wenigen Häuser, die konsequent die Realität einer multimedialen und zunehmend virtuellen Wirklichkeit aufnehmen und sich an ihr reiben, wie etwa das Theater Dortmund, wurden erneut ignoriert. Die Auswahl der zehn Inszenierungen lässt sich aus unterschiedlichsten Blickwinkeln kritisieren und zumeist mit einigem Recht.

© Berliner Festspiele

© Berliner Festspiele

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