Archiv der Kategorie: Andreas Veiel

No Future

Andreas Veiel in Zusammenarbeit mit Jutta Doberstein: Let Them Eat Money. Welche Zukunft?!, Deutsches Theater, Berlin (Regie: Andreas Veiel)

Von Sascha Krieger

„Welche Zukunft?!“ So heißt nicht einfach nur ein Theaterabend, sondern gleich ein mehrjähriges Projekt, angestoßen von Regisseur und Dokumentarfilmer Andreas Veiel und Autorin Jutta Doberstein. Das sich Fragen widmet wie: Wohin geht die Reise unserer in letzter zeit so krisenfreudig erscheinenden Gesellschaft, was macht sie mit der Welt als ganzer und wie lässt sie die Katastrrophe, auf die wir vielleicht zusteuern, verhindern? Alles begann mit einem Dialog von Bürgern und Wissenschaftlern, das ein Zukunftsszenario für die kommenden zehn Jahre entwickelte, welches in einem Symposium weiter vertieft wurde. Der Theaterabend, Teil drei des 2010 endenden Projekts, blickt nun zurück. Es ist 2018, die EU ist zerfallen, Menschen tragen Chips, die eine rätselhafte Krankheit bekämpfen sollen und nebenbei all ihre Erinnerungen und Gedanken auslösen. Der Staat ist gescheitert und durch privatwirtschaftlich organisierte Gesellschaftsformen, in denen Shareholder die neuen Bürger sind, abgelöst. Siris und Alexas der übernächsten Generation organisieren das Leben, der wenigen, die über ein solches noch verfügen, während zu Hunderttausende Noprdeuropäer auf künstliche Inseln zu fliehen suchen, nur um beim Versuch abgeknallt zu werden. Eine Menge Dystopie, ein bisschen Science Fiction und ganz viel Pessimismus.

Bild: Arno Declair

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Berlinale 2017: Day 6

By Sascha Krieger

Toivon tuolla puolen (Competition / Finland, Germany / Director: Aki Kaurismäki)

A man leaves his wife and opens a restaurant. A Syrian refugee arrives on a coal ship. Two stories Aki Kaurismäki lets run parallel for the first half of this film. Which is a problem. The first of those stories is pure Kaurismäki: Stony, stoic faces, lightly darkish drab interiors, images as rigid and dry as his characters. The least spectacular leaving scene in film history starts a melancholy and drily funny story about people who don’t dare give up and who have hearts of gold beneath those faces of stone. Among Kaurismäki’s stories about the (sometimes not so) little man plodding on stoically to find a tiny little bit of happiness, this is an exemplary one. But there is a second one, that of Khaled from Aleppo. His narrative strand feels generic like an essay slash pamphlet about refugees caught in the mills of bureaucracy, more of a newspaper article than a film. When both strands are combined as the two men meet in a memorable scene, the film picks up speed. The driest of humour accompanies what is melancholic existential comedy meets adventure tale. it would have done the film much good to focus on these strangely easily meeting world s and leave out the bland social drama complete with a murderous Nazi gang. As it is, the film is a solid addition to Kaurismäki’s oeuvre but not more than that.

 (Image: Malla Hukkanen © Sputnik Oy)

Toivon tuolla puolen (Image: Malla Hukkanen © Sputnik Oy)

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In der Parallelwelt

Andreas Veiel: Das Himbeerreich, Schauspiel Stuttgart / Deutsches Theater, Berlin (Regie: Andreas Veiel)

Von Sascha Krieger

Vor dem Deutschen Theater stehen Übertragungswagen des RBB, im Foyer wird Autor und Regisseur Andreas Veiel für die Abendschau interviewt und Claus Peymann ist auch da. Keine Frage: Hier geht es um die großen, die wichtigen Themen unserer Gesellschaft. Wie eigentlich immer bei Veiel, der als Dokumentarfilmer die Seelenzustand der Republik erkundete (Black Box BRD) und später seine auf Recherche und Interviews beruhende Methode auf das Theater übertrug (beispielsweise in Der Kick über ein Gewaltverbrechen unter Jugendlichen). Unerwartet kommt es daher nicht, dass es ausgerechnet Veiel ist, der sich dem Thema Banken- und Finanzkrise im Theater annimmt. Für Das Himbeerreich hat er zahlreiche und intensive Gespräche mit Insidern geführt, die er zusammengefasst, auf sechs fiktive Figuren verteilt und zu einem eineinhalbstündigen Theaterabend verdichtet hat. Dieser, zu Uraufführung von Veiel selbst inszeniert, funktioniert eine weile recht gut, bevor ihm dann doch spürbar die Luft ausgeht und deutlich wird, dass er eigentlich recht wenig zu sagen hat und schon gar nicht Neues.

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