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Stadt der Toten

Nach Alfred Döblin: Berlin Alexanderplatz, Deutsches Theater, Berlin (Regie: Sebastian Hartmann)

Von Sascha Krieger

Ein hoher, weiter, leerer weißer Raum. Ein Alles-ist-möglich-Ort, einer des Dazwischen und des Immer-schon-Danach. Verschiebbare Wände und Decken aus Neoröhren erhellen ihn, tauchen ihn in gleißendes, nüchternes kaltes Licht. Ein Kreuz an der Rückwand entflammt in aggressivem Rot. Im Interview auf der Website des Deutschen Theaters deutet Sebastian Hartmann an, sein Bühnenraum wäre ein Kircheninneres. Er kann auch eine Leichenhalle sein oder der Warteraum vor der Himmelspforte. In jedem Fall ist er ein Raum des Todes, des schon Gewesenen und längst Vergangenen. Ein Ort, an dem sich trefflich über die Vergeblichkeit alles Lebens und Strebens verhandeln lässt. Und das tut Hartmann ausgiebig, viereinhalb Stunden lang. Die Vorlage gibt ihm Berlin Alexanderplatz, Alfred Döblins Großstadt- und Weltpanaroma, dieser Meilenstein modernen Erzählens, auf Papier gebannte Welterfahrung im Zeitalter kognitiver Zersplitterung. Döblin bedient sich ausgiebig Montagen- und Collagentechniken, um die fragmentierte Welt zumindest in Bruchstücken einzufangen und eine Geschichte zu erzählen, die ebenso wenig mehr individuell wie linear sein kann.

Bild: Sascha Krieger

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