Archiv der Kategorie: Albert Camus

Die Welt als Spiel

Albert Camus: Caligula, Berliner Ensemble (Regie: Antú Romero Nunes)

Von Sascha Krieger

Ja, hier ist jetzt einiges anders. Kein roter Teppich zur Eröffnung, aber einer in knalligem Gelb, passend zum neuen Outfit, welches sich das Berliner Ensemble, das „House that Brecht built“, wie man es im Amerika nennen würde, zum Beginn der neuen Ära gegeben hat. Knallig auch die massiven Buchstaben, mit denen man „Berliner Ensemble“ jetzt schreibt. Oliver Reese, Ex-Chefdramaturg am Gorki und am DT, die vergangenen Jahre Intendant in Frankfurt, ist kein Mann der lauten Töne – sein Theater ist durchaus gewillt, selbiges zu sein. Man will sich klar positionieren, aber auch hinterfragen, Gewissheiten untergraben. Das ist auch bei der Eröffnung so, beginnt beim gelben Teppich und endet noch nicht bei der Wahl des ersten inszenierten Stückes. Gegenwartstheater will man sein, den Fokus auf zeitgenössische Stoffe, lebende Autoren und natürlich auch auf Brecht legen. Also zeigt man in der ersten Premiere ein Stück von 1948 eines 1960 gestorbenen Autors, der nicht Brecht heißt. Ein Statement, na klar, und vielversprechend auch für die ironische Distanz, mit der man hier, so ist zu hoffen, dogmatischen Aussagen gegenübersteht – inklusive der eigenen.

Bild: Julian Röder

Weiterlesen

Advertisements

Der Schnee von heute

Albert Camus / Boris Sawinkow: Die Gerechten / Das fahle Pferd, bat-Studiotheater, Berlin (Regie: Marcel Kohler)

Von Sascha Krieger

Ein leeres Bühnenviereck, darum verteilt das Publikum. Es wird über Anarchismus und den Umsturz eines verfaulten Systemsgeredet, über Russland und eine strahlende Zukunft für das ganze Volk. Und darüber, das Gewalt auf dem Weg dorthin unerlässlich sein. Kommt bekannt vor? Richtig, Daniela Löffner hat mit Väter und Söhne am Deutschen Theater mit diesen Zutaten einen Theaterabend gebastelt, der gerade beim Theatertreffen gastieren durfte. Einen der beiden Anarchisten des Stücks spielte Marcel Kohler, der für die Rolle auch den Alfred-Kerr-Preis erhielt. Jetzt hat Kohler die sonnigen Gefilde Turgenjews verlassen und taucht tief ein in den Untergrund, dort wo aus der hehren Ideologie der Idealisten die schmutzige Realität des Terrors wird, wo die Worte übersetzt werden in blutige Taten. Dazu kehrt er zurück an die Ernst-Busch-Hochschule, an der er im vergangenen Jahr seinen Abschluss machte und während des Studium auch schon inszeniert hat, Heiner Müllers Philoktet zum Beispiel. Stadt weiter russischer Landluft nun also die klaustrophobische Enge, die stickige Dunkelheit freiweilliger und unfreiwilliger Verliese, die menschliche Düsternis von Das fahle Pferd, dem Tagebuchroman des russischen Sozialrevolutionärs und Attentäters Boris Sawinkow und von Albert Camus‘ auf dem Buch basierendem Stück Die Gerechten.

Bild: Jan Hellerung

Bild: Jan Hellerung

Weiterlesen