Theater und Netz Vol. 3 – (k)ein Fazit

Von Sascha Krieger

Vor zwei Jahren hatten nachtkritik.de und die Heinrich-Böll-Stiftung eine seltsame Idee: Sie riefen eine Konferenz ins Leben, die zwei Bereiche in Beziehung zu setzen versuchte, die so gar nichts miteinander anfangen zu können schienen: das Theater, die sich mit einigem Stolz als die analogste aller Kunstformen eingemauert hatte, und das „Netz“, dessen Vertreter mit unverhohlenem Spott auf alles hinabschauten, was vor dem digitalen Urknall war. Natürlich war das damals schon eine unzulässige Vereinfachung, und doch wirkte die Erstausgabe wie ein Blind Date zweier potentieller Partner, die nicht so recht wussten, was sie von einander zu halten hatten. Die Eröffnungsdiskussion zwischen Regie-Dino Claus Peymann und Ex-Vorzeige-Piratin Marina Weisband war exemplarisch.: Da prallten Vorurteile und festgefasste Vorstellungen aufeinander, die schon damals vor allem von Seiten des Theatermannes kamen. Überhaupt konnte der Besucher mit einigem Erstaunen feststellen, dass die „Netzgemeinde“ dem Theater um einiges aufgeschlossener gegenüberstand als umgekehrt.

Wie alles begann: die Konferenz Theater und Netz 2013 (Foto: Sascha Krieger)

Wie alles begann: die Konferenz Theater und Netz 2013 (Foto: Sascha Krieger)

Zwei Jahre später ist alles anders: Bei der dritten Ausgabe war wenig zu spüren von Berührungsängsten, vielmehr war der erste Tag gespickt mit praktischen Themen aus dem inneren einer Begegnung, die längst stattgefunden hat und nun etliche Fragen aufwirft, etwa nach rechtlichen Gegebenheiten, der Art und Weise, wie Theater im Netz kommunizieren oder es als Marketinginstrument einsetzen können. Da war so gar ein Blick möglich über den Tellerrand des digitalen Netzes hinaus: Am zweiten Tag ging es vor allem um politisches Theater, ein Thema, bei dem analoge Netzwerke mindestens so wichtig sind wie die digitalen. Die Begegnungen waren um etliches selbstverständlicher, die Unterscheidung zwischen denen „aus dem Theater“ und jenen „aus dem Netz“ praktisch nicht mehr zu treffen. Die Wegstrecke, die zurückgelegt wurde in diesen 24 Monaten, ist beträchtlich. Und doch steht noch vieles am Anfang. So zeigt das Theater eine erstaunliche Offenheit und Kreativität, wenn es darum geht, ins Netz zu gehen (pun intended), die jedoch von der Ratlosigkeit, wie das Theater die Wirklichkeit einer längst digitalen Gesellschaft reflektieren und künstlerisch verarbeiten kann, übertroffen wird. Wer die Diskussionen über die Digitalisierungspläne des Berliner Kulturstaatssekretärs Tim Renner – der bei der Konferenz zu Gast war – und die Zukunft der Berliner Volksbühne verfolgt hat, weiß, dass diese Debatte erst am Anfang steht.

Umso wichtiger, dass sie geführt wird – digital wie online. Da war es vielleicht ein wichtiges Signal, dass die analoge Konferenz in diesem Jahr eine zusätzliche digitale Begleitung bekam: in Form eines Live-Blogs, in dem probiert, berichtet, gescherzt und gescheitert wurde, wie in der stürmischen Beziehung zwischen Netz und Theater. Wer ein wirkliches Fazit der Konferenz sucht, kann es vielleicht am ehesten hier finden: http://liveblogtheaterundnetz15.wordpress.com.

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